Der Glücksbringer

München - Ob nun seltene Arien von Salieri oder Vivaldi, eine CD von Cecilia Bartoli ist immer eine Entdeckungsreise. Und für ihr jüngstes Album "Maria" wandelte die italienische Mezzosopranistin nun auf den Spuren von Maria Malibran, einer der ersten großen Diven der Operngeschichte, der im 19. Jahrhundert ganz Europa zu Füßen lag. Neben den Konzerten zur CD (wir berichteten) reist Bartoli dabei momentan mit einem zum Malibran-Museum umfunktionierten Laster durch Europa, der Ende des Jahres begleitend zu ihrem Auftritt im Gasteig noch einmal in München Station machen wird.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit dem Namen Maria Malibran?

Als ich mein Debüt in Rossinis "Barbiere" hatte, bekam ich als Glückbringer ein Bild von Maria Malibran geschenkt, die ebenfalls oft als Rosina aufgetreten ist. Seitdem hat mich der Name eigentlich immer begleitet, weil ich sehr viele Rollen gesungen habe, die auch sie verkörpert hat. Außerdem sammle ich alle möglichen Dinge über Sängerinnen und Sänger aus dieser Zeit. Ich bin da ein kleines bisschen verrückt, was das betrifft.

Einige Stücke Ihrer Sammlung gehen jetzt auch mit Ihnen auf Tour.

Ursprünglich wollten wir diese Ausstellung nur in einer Stadt machen. Aber dann hätten nur wenige sie sehen können. Also musste ich eine Möglichkeit finden, um die Ausstellung auf Reisen zu schicken. Und als ich dann auf einem Parkplatz einen dieser Lastwagen gesehen habe, ist die Idee mit dem Malibran-Laster entstanden.

Woher kommt diese Begeisterung für eine Sängerin, von deren Stimme es keinerlei Aufnahmen gibt?

Das ist sicher etwas ungewöhnlich, aber wenn man Briefe von Chopin, Mendelssohn oder Bellini liest, die alle von Malibran geschwärmt haben, macht es das für mich als Sängerin sogar fast noch spannender. Durch sie habe ich verstanden, was das Wort Diva wirklich bedeutet. Und natürlich haben wir da die Musik, die für sie geschrieben wurde. Darin kann man erkennen, dass sie ein Mezzo mit einem enormen Stimmumfang gewesen sein muss.

Ist "Maria" auch eine Art Rolle, in die Sie jetzt bei Ihren Malibran-Konzerten hineinschlüpfen?

Wenn ich die Bühne betrete, versuche ich immer, dem Komponisten zu dienen. Falls es dann Verzierungen gibt, die Maria verwendet hat, kann ich mir natürlich überlegen, ob ich das selber auch einbaue. Aber in erster Linie geht es mir um die Musik.

Ihre neue CD markiert gewissermaßen eine Heimkehr zum Belcanto.

Ich habe in den letzten Jahren viel Barock gesungen. Dadurch nähere ich mich jetzt dem Belcanto mit einem neuen Blickwinkel. Wenn man vom Barock und von Mozart kommt, erkennt man erst aus welcher Tradition sich diese Musik entwickelt hat. Und wir geben dem ganzen zusätzlich eine neue Dimension, weil wir mit Originalinstrumenten spielen. Bei der Barockmusik ist das heute zum Glück schon selbstverständlich. Und ich glaube, dass das Publikum reif ist für den nächsten Schritt.

Verlangen Originalinstrumente auch eine andere Art des Singens?

Grundsätzlich nicht, aber mit einem modernen, größer besetzten Orchester ist es manchmal schwieriger, einen Dialog aufzubauen. Dann hat man ab und zu das Gefühl, man kämpft allein gegen 90 andere. Und Musik geht nun einmal nicht nur von Forte bis Fortissimo. Gerade beim Belcanto braucht man die ganze Palette.

In der Vergangenheit wurden die Malibran-Rollen oft von Sopranen verkörpert.

Wir denken immer, dass das ein Repertoire für Sopran ist, doch zu Bellinis Zeiten haben das viele Mezzos gesungen. Ich suche immer nach den originalen Partituren und bei der "Sonnambula" zum Beispiel bewegt sich der Großteil der Partie in der Mezzo-Lage. Bei den "Puritani" ist das anders. Da singe ich eine Fassung, die Bellini speziell für Malibran geschrieben hat.

Gibt es andere Rollen, von denen Sie sich wünschen, ein Komponist hätte sie für Sie umschreiben können?

Schon, aber das sind alles Rollen für Männer, Otello oder Don Giovanni. Und auf der Bühne bin ich von meiner ganzen Erscheinung her nun mal eben ganz eindeutig eine Frau.

Das Gespräch führte Tobias Hell

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