Japanisches Lackschränkchen: Die Technik war ein regelrechtes Geheimnis. Foto: Museum

Glückseligkeit in Gold

München - Die Ausstellung „Japanische Lackkunst für Bayerns Fürsten“ im Münchner Völkerkundemuseum

Von Freia Oliv

Das ist ein Traum von einem Picknick: Goldfiguren breiten sich auf schillernden Decken aus, die prächtigen Gewänder glitzern und kleine Steine funkeln in einem unglaublich tiefen, hochglänzenden Schwarz. In Japan war es üblich, draußen zur Obstblüte oder mitten im bunten Herbstlaub zu speisen und der Stegreifdichtung, der Musik und dem Tanz zu frönen. Mit derlei edlem Müßiggang beeindruckte man sogar die Besucher: Auf Luxusmöbel, pechschwarz lackiert und poliert, verewigte man die Glückseligkeiten in Gold. Kein Wunder, dass davon auch die europäischen Höfe beeindruckt waren. Insbesondere Kurfürst Max Emanuel von Bayern konnte sich für die japanische Lackkunst begeistern und stellte sie ab 1700 in der Münchner Residenz zur Schau. Kurz darauf baute man die Schränkchen mit vielen Schubladen um. 1800 wurden die Schaustücke dann komplett der Münzsammlung für ihre Schätze übergeben. Jetzt verbreitet eine der größten Sammlungen Europas im Münchner Völkerkundemuseum höfisches Flair und japanische Eleganz.

Die Symbiose von japanischer Magie und europäischer Faszination führte sogar so weit, dass man die exotischen Bilder auf europäische Truhen auftragen ließ: Der „Mannheimer Schrank“ mit eben jenem traumhaften Picknick, schwebend im Dunkeln, ist so eine Kombination. Die japanische Lacktechnik, im 17. Jahrhundert zur Perfektion gebracht, war ein regelrechtes Geheimnis: Das eingefärbte Harz des ostasiatischen Lackbaums wurde dafür auf Hochglanz geschliffen und poliert. Für die Dekore wurden Goldpulver und glitzernde Flocken mit Sieben und Röhrchen vor dem Trocknen aufgebracht. Die Ergebnisse, hochfeine Streubilder und Reliefs, überzeugten nicht nur den japanischen Adel und das Kaiserhaus, sondern auch bald die holländischen Händler der Vereinigten Ostindien Kompanie. Die Lackmöbel wurden zum Exportschlager und Aushängeschild für Herrscherhäuser. 22 Schaustücke aus der Münzsammlung sowie Waffen und Kleinodien aus dem Museum bestätigen jetzt das, was Kardinal Mazarin im 17. Jahrhundert meinte: „Alles was schön ist, kommt aus Japan.“

Neben der bestechenden Ästhetik ist man aber auch hingerissen von den kleinen Anekdoten und der Symbolik: Da wird die Geschichte des Staatsmannes erzählt, der seinen Freund als Kind aus einer großen Vase gerettet hat, in die er beim Goldfisch-Betrachten gefallen war. Eine Szene zeigt einen Kaiser, dem die Jagd verboten wurde, weil Pferdesport nur etwas für Kinder sei. Idyllische Landschaften wiederum zeugen von der Sehnsucht der Bildungsschicht, sich in die Natur zurückzuziehen und sich in edlen Fertigkeiten wie Musik, Brettspiel, Kalligrafie und Meditation zu üben.

Und selbst die scheinbar reine Ornamentik, güldene Ranken mit schillernden Muschel-Blüten beispielsweise, sind als Garanten für Schönheit zu verstehen. Wildgänse und auch der Phönix im filigranen Federgewand besiegeln eine gute Ehe. Wenn dann noch der Hirsch ein langes Leben verspricht, steht dem Glück nichts mehr im Weg. Vielmehr wurde und wird es mit aller Pracht aus Japan und aller Macht der bayerischen Fürsten heraufbeschworen.

Bis 8. Mai,

Katalog: 20 Euro;

Telefon 089/ 21 01 36 100.

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