Goethes Zauberlehrling

- Heute wird gelernt. Simple Unterhaltung darf niemand erwarten an diesem Abend in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. "Diesmal gehen Sie klüger raus, als sie reingekommen sind", verkündet Oberlehrer Sinasi Dikmen, der Begründer des deutsch-türkischen Kabaretts, der seit fast 20 Jahren seine Erfahrungen aus zwei Kulturen auf die Bühne bringt. Seine türkische Heimat erklärt er uns.

<P>Geografie steht auf dem Stundenplan, Soziologie und Psychologie, natürlich Ethnologie. Dikmen ist ein sympathischer Lehrer, einer derjenigen, die sich in Erzählungen verrennen, die abschweifen und ihre Fragen am liebsten selbst beantworten. So wandelt sich sein Unterricht zur Märchenstunde, vom dozierenden Kabarett zur genügsamen Erzählung. Beides verwirrt zunächst und lässt den Wunsch nach Komik unerfüllt.<BR><BR>"Quo vadis, Türke?", heißt Dikmens Programm. Zeitgemäß stellt er die Frage nach der Zukunft der Türkei und der Türken; nur ganz im Kleinen, anhand seiner eigenen Biografie. Er beschreibt seine Lebensgeschichte als Weissagung, vom Dichterkönig der Deutschen höchstselbst eingeflüstert. Goethe erscheint ihm im Traum und macht ihn zu seinem Zauberlehrling. Er gibt ihm die deutsche Sprache und den Auftrag, in Frankfurt ein Kabarett zu gründen. Gute Idee, findet Klein-Sinasi, Ziegenhirte an der Schwarzmeerküste, und ab geht es nach Deutschland. <BR><BR>Doch worauf hat er sich da eingelassen? Er kommt in ein Land, das Berufe kennt, die niemand aussprechen kann, Krankheiten, die nicht existieren, das fundamentalistischer ist als jeder Mullah und multikultureller sein möchte, als jeder Türke es verträgt. Hier kommt Dikmen in Fahrt. Eine Gesellschaft der Extreme erscheint ihm, der Spleens und Obsessionen. Dikmen pauschalisiert, doch er ist witzig. Und mal ehrlich: Differenziertes Kabarett, ist das nicht ein Widerspruch in sich? </P><P>Bis 6. März. Tel. 089/ 39 19 97.</P>

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