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Das siegreiche Quartett: Kabarettistin Monika Gruber mit Frederic Linkemann (li,.), Michael von Auf und Michael Volle (re.).

Ein Götterbote für die Kunst

München - Und es ist doch eine Glückszahl. Denn zum 13. Mal verliehen der Münchner Merkur und seine Heimatzeitungen zusammen mit den Lesern den Merkur-Theaterpreis.

Viereinhalbtausend Leser und Zuschauer sind heuer dem Aufruf unserer Zeitung gefolgt, aus zwölf Nominierungen ihre Götter zu wählen. Und diejenigen, die die meisten Stimmen verbuchen konnten, durften den römischen Götterboten mit nach Hause nehmen. Das waren die Kabarettistin Monika Gruber, der Opernsänger Michael Volle und der Schauspieler Michael von Au. Träger des von Verleger Dirk Ippen gestifteten Förderpreises ist Schauspieler Frederic Linkemann von der Bayerischen Theaterakademie.

Auf Tuchfühlung mit den Stars

Die Luft der hehren Bühnen sind sie ja alle gewöhnt. Michael von Au die des Münchner Residenztheaters, Monika Gruber gerade jüngst die des Circus Krone und Michael Volle die der Bayerischen Staatsoper. Aber eine Preisverleihung, vielleicht verbunden mit Dankesworten und Aug’ in Auge mit den Fans, da beginnt offenbar auch bei den größten Künstlern das leichte Nervenflattern: „Wissen’S was?“, sagte Volle, als er kurz nach 19 Uhr ins Pressehaus eilte, „gestern ,Wozzeck‘, das fand ich irgendwie einfacher“.

Merkur-Theaterpreis 2008

Zwar war dies schon die 13. Preisverleihung, doch zugleich wurde auch eine Premiere gefeiert. Eine Uraufführung gewissermaßen auf „bis dahin unentdecktem Merkur-Gelände“, wie es mit einer Anspielung auf die Weltraumfahrt formuliert wurde. Warum? Dort, wo früher die Druckmaschinen die Merkur-Ausgaben produzierten, ist nun ein großzügiger Veranstaltungssaal eingerichtet worden (siehe Seite 19). Und der wurde an diesem Abend „standesgemäß“ eingeweiht. Viele Leser hatten dabei das Losglück, den von ihnen gewählten Stars ganz nahe zu sein, sie also ohne trennende Bühnenrampe endlich einmal in ein Gespräch zu verwickeln oder einfach „nur“ um Autogramme zu bitten.

Auch viele ehemalige Preisträger waren gekommen, darunter Opernsänger Wolfgang Brendel, Tänzer Oliver Wehe, Metropoltheater-Chef Jochen Schölch, Schauspielerin Brigitte Hobmeier und ihr Kollege Stefan Murr. Eine Feier, die sich auch viele weitere Münchner Kulturpromis nicht entgehen lassen wollten: Gärtnerplatz-Intendant Ulrich Peters war dabei, auch Ulrike Hessler von der Bayerischen Staatsoper (bald Intendantin in Dresden), Volkstheater-Chef Christian Stückl, Gasteig-Leiterin Brigitte von Welser und Konstanze Vernon, Prinzipalin der Bosl-Stiftung.

Der Merkur-Theaterpreis ist ja nicht mit Geld aufzuwiegen. Sondern mit dem Besten, was sich ein Künstler, der abends auf der Bühne steht und sein Bestes gibt, nur wünschen kann: mit der Liebe seiner Zuschauer. 1996 wurde dieser Preis erstmals vergeben. Geboren aus der Idee, als Zeitung ein Mittler zwischen Publikum und Künstlern zu sein und den Lesern und Zuschauern die Möglichkeit zu geben, ihre Gunst, Verehrung, Begeisterung und Liebe über den abendlichen, schnell verhallenden Beifall hinaus Ausdruck zu geben. Und immer wieder betonen auch die Geehrten, wie viel gerade diese Trophäe ihnen bedeutet. Titel wie „Sänger des Jahres“ oder „Schauspieler der Saison“ mag es schon geben. Doch dieser Preis ist eben gerade nicht das Ergebnis einer Jury, die vielleicht anonym und in Hinterzimmern ihr Ergebnis ausbrütet. Der Merkur-Theaterpreis ist Ausdruck des Willens derjeniger, die doch im Theater, in der Oper oder anderen Sälen am wichtigsten sind: die Zuschauer.

Münchner Merkur – da lag es eigentlich nahe, aus dem Namenspatron unserer Zeitung einen Preis zu kreieren. Es wäre auch kein anderer Gott besser geeignet für einen Kunst-Cup als dieser Merkur. Das war ja ein toller Bursche. Erfinder der Musik, erst der Lyra, dann der Flöte; Erfinder der Buchstaben, die er aus den Flugformen der Kraniche schuf; der Schutzgott der Redner und Dichter. Ihm werden zudem zahlreiche Liebschaften nachgesagt, vor allem mit den Nymphen. Merkur war Bote, Dieb und Händler, war Seelenführer und Wahrsager.

Der Merkur-Theaterpreis war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Das begann mit Christiane Hörbiger, Julia Varady und Francisco Araiza. Prämiert wurden Rolf Boysen, die Biermösls und Hans Michael Rehberg. Das Publikum feierte mit Peter Seiffert, Gisela Stein und Lambert Hamel. Über den Götterboten freuten sich Jörg Hube, Brigitte Hobmeier und Wolfgang Brendel. Es strahlten Maximilian Brückner, Edita Gruberova und Diana Damrau. Selig über die Auszeichnung waren Judith Turos, Oliver Wehe und Tigram Mikayelyan. Mit Stolz trugen den Gott nach Hause: Cornelia Froboess, Gerhard Polt und Sunnyi Melles. Und, und, und...

Zu den drei großen Merkur-Statuen gesellte sich ab 1997 ein Miniatur-Gott: der Förderpreis, der von Verleger Dirk Ippen gestiftet wird. Jule Ronstedt und Jochen Schölch gehören zu den Preis-Entdeckungen, auf die wir, wie auf alle anderen, stolz sind. Und wer weiß, ob nicht heuer auch einige Entdeckungen dabei waren? Denn traditionell wurde das augenzwinkernde, freche, manchmal auch leicht respektlose Musikprogramm gestaltet von den Studenten der Otto-Falckenberg-Schule.

Die Herren angeschmachtet

Die behaupteten mit Hildegard Knef „In dieser Stadt kenn’ ich mich aus“, schmachteten mit Udo Lindenberg „Du spieltest Cello“ oder gaben sich mit treuherzigem Augenaufschlag ratlos: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre.“ Schmacht-Momente, bei denen manche Herren im „Parkett“ etwas unruhig wurden. Und bei denen sich die „fertigen“ Schauspieler nostalgisch an ihre Ausbildung erinnert haben dürften. Obwohl, Steven Scharf von den Münchner Kammerspielen nahm’s humorvoll: „Die Schüler haben mir gut gefallen. Ein paar kenne ich schon – weil sie im Hof bei uns immer rauchen.“

Beeindruckt zeigten sich die fast 400 Gäste, die bis in die frühen Morgenstunden feierten, vom Programm und natürlich von den neuen Räumlichkeiten. Ein Saal, der sogar Begehrlichkeiten weckte, wie Staatsintendant Ulrich Peters andeutete: „Und wenn Sie mal wirklich nicht wissen, was Sie mit der Halle machen: Das Gärtnerplatztheater hat für seine Proben eigentlich immer Raumbedarf.“

Sabine Dultz / Markus Thiel

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