Götterfunken für den Papst

BR-Symphonieorchester: - 27 Damen auf rund 15 Quadratmetern, da wird die Luft schnell dick. Vor allem, wenn man sich hier, im Trakt zum Carl-Orff-Saal, noch umziehen und einspielen muss. Im Keller des Münchner Gasteig geht's den Herren nicht besser. Die Decke ist niedrig, die Spinde zu klein, der Platz nicht minder beengt, es riecht, nun ja, nach Grundschul-Turnhalle. "Nur Käfighaltung ist schlimmer", sagt ein Geiger.

"Die Bedingungen sind inaktzeptabel", formuliert es Chefdirigent Mariss Jansons.

Es ist also nicht nur das eigene "Heim" mit Vorbelegungsrecht, das das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Marstall-Debatte für sich fordert; es dreht sich auch nicht allein um die üble Philharmonie-Akustik: Eine Rolle spielen überdies die Verhältnisse hinter der Bühne. Denn im Gasteig sind die BR-Musiker zwar Gäste, werden aber in Notbehelfe abgedrängt.

Was Wunder, dass sich auch auf der Präsentation der Saison 2007/ 08 alles um den Marstall drehte. "Wir sind das einzige Spitzenensemble, das kein eigenes Haus hat", betonte Jansons. Der Marstall sei doch eine ideale Stelle, um den dortigen "Kulturbezirk" gebührend abzurunden. Das Vorhaben sei zudem für München "nicht gefährlich", vielmehr könne das Musikleben dadurch noch intensiver werden. "Wenn der Konzertsaal gebaut wird, bin ich der glücklichste Mensch der Welt." Einer Umgestaltung des Gasteig gibt Jansons dagegen wenig Chancen. "Ich bezweifle, ob man die Philharmonie zum perfekten Saal machen kann."

Orchestermanager Walter Blovsky wies in diesem Zusammenhang auf die Planungsunsicherheit hin: Oft wisse man nicht genau, welchen Raum der BR bekomme, da würden große Projekte zum "Vabanquespiel". Wie teuer der Marstall-Saal wird, wollte keiner genau sagen. 40 bis 50 Millionen Euro sind im Gespräch. Und der BR, so der offizielle Wortlaut, wolle sich mit einer "akkumulierten Mietvorauszahlung" beteiligen. Einen Baubeginn stellt man sich schon für 2009 vor, realistisch erscheint aber 2010 oder 2011.

Das Bayerische Staatsschauspiel, das den Marstall bekanntlich nutzt, muss sich laut Blovsky keine Sorgen machen. Eine Spielstätte fürs Theater sei auch künftig kein Problem, für Kulissenlager und Werkstätten seien Ersatzlösungen im Gespräch: "Bis auf die Bühne ist das Haus also so gut wie leer."

Vorerst freilich bleibt dem Orchester das ungeliebte Pendeln zwischen (zu kleinem) Herkulessaal und Gasteig. Was den BR nicht daran gehindert hat, für die Saison 2007/ 08 Respektables auf die Beine zu stellen. Nach einer Stippvisite bei allen wichtigen Sommerfestivals eröffnet Jansons die Spielzeit mit Bruckners Siebter. Neben Stammgästen wie Riccardo Muti wurden unter anderem Neeme Järvi, Daniele Gatti, Herbert Blomstedt und Kirill Petrenko verpflichtet.

Größte Tournee ist eine Reise nach Japan. Doch zuvor, am 27. Oktober, dürfen Jansons, Chor und Symphonieorchester zum Papst. Das Konzert im Vatikan wird wahrscheinlich vom Fernsehen direkt übertragen, eine "mindestens vierstellige Anzahl von Hörern" kann die Münchner nach Rom begleiten. Und zu hören bekommt Benedikt XVI. Angemessenes: Beethovens Neunte mit ihrer Verherrlichung des "Götterfunkens".

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