Götterfunken im Vatikan

Rom - Vor 7000 Zuhörern soll an diesem Samstag der "Götterfunken" zünden: Chor und Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks sind nach Rom gereist, um in Anwesenheit von Papst Benedikt XVI. Beethovens Neunte aufzuführen.

Vom bayerischen Papst ist bekannt, dass er Klassik schätzt. Seitdem geben sich Deutschlands Klangkörper im Vatikan die Klinke in die Hand, um dort PR-wirksam zu gastieren. Die Münchner Philharmoniker mit Christian Thielemann waren schon da, das SWR-Orchester kam (zu Benedikts 80. Geburtstag), die Bamberger Symphoniker reisten in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo. Und nun folgen Chor und Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter ihrem Chefdirigenten Mariss Jansons. Das Besondere dabei: Die Münchner bringen sich die Fans gleich selbst mit. Der Bayern 1-Radioclub warb dazu mit der Aktion "Zum Papst nach Rom". Drei Möglichkeiten konnten gebucht werden: Flugreise, ein Zugtrip und eine Rundreise "Rom-Amalfiküste", natürlich jedes Mal mit dem zentralen Ereignis der Neunten.

Fast 7000 Menschen fasst die päpstliche Audienzhalle, das "Auditorio Paul VI". Und knapp 1500 sitzen an diesem Samstag dort auf einem BR-Ticket. Der Sender überträgt dazu live in Fernsehen und Radio. Abgerundet wird das Ereignis, das zwar als Papst-Besuch gilt, vielmehr jedoch wie eine gigantische BR-Werbetour erscheint, durch eine DVD. Und die soll noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Läden liegen.

Für Chefdirigent Mariss Jansons ist dies der erste Auftritt vor einem Papst. Einerseits empfindet er dies als "besondere Ehre" und als "etwas Außerordentliches", andererseits geht er relativ abgeklärt in das Spektakel. "Vom Musikalischen her gesehen, muss ich einfach sagen: Konzert ist Konzert." Beethovens Neunte im Vatikan aufzuführen, hält Jansons für eine "etwas andere Idee". Normalerweise höre man dort doch fast ausschließlich Messen, nun könne in Rom Beethovens Ideal "einer Verbrüderung, auch einer neuen Beziehung zu Gott" erfahren werden.

Fraglich ist nur, ob der Komponist das Event gutgeheißen hätte. Von Aufklärer Beethoven ist ja bekannt, dass er mit der Kirche und ihren Dogmen wenig anfangen konnte und darüber auch geharnischte Worte verlor. Dennoch beschwor er in seiner Neunten, vor allem aber in der Missa Solemnis das Göttlich-Unsagbare mit einzigartigen, unerreichten Klängen.

"Beethoven war sicher nicht antireligiös", sagt Jansons. "Er übersetzte eben seine Glaubensidee in eine ganz persönliche, humanistische Religiosität." Schließlich, so der Dirigent, gebe es viele verschiedene Wege zu Gott. "Entscheidend ist der Glaube als Prinzip, also eine innere Verbindung zum Göttlichen." Und wie hält es der 64-jährige Mariss Jansons selbst mit der Religion? "Ich bin Lutheraner und wurde in Riga getauft. Sicherlich bin ich gläubig, auch wenn ich über manche Dinge der verschiedenen Religionen durchaus diskutieren würde."

Für das einmalige Konzertereignis ist eine enorme Logistik erforderlich. Neben 174 Chor- und Orchestermitgliedern reiste ein riesiger Tross von BR-Technikern nach Rom. Elf Kameras fangen das Geschehen ein, verantwortlich für die Koordination ist Brian Large, der zurzeit bedeutendste Regisseur für Konzert- oder Opern-Übertragungen.

Die BR-Reise hat dabei eine längere Vorgeschichte. Schon im Jahr 2000 habe man dem früheren Papst Johannes Paul II. ein Konzert angeboten, berichtet Hörfunkchef Johannes Grotzky. Terminschwierigkeiten folgten, ein neuer Papst kam, auch ein neuer BR-Intendant.

Im November 2005 erneuerte dann Intendant Thomas Gruber das Angebot an den Vatikan, nach umfangreichen Vorplanungen stand dann irgendwann der Termin 27. Oktober 2007. Kleine Pointe am Rande: Albert Scharf, der seinerzeitige BR-Chef, hatte schon einen früheren Termin im Sinn, den sein damaliger Hörfunkchef Udo Reiter organisiert hatte. Als Reiter Intendant beim MDR wurde, nahm er den Termin mit - "sein" MDR-Orchester gastierte daraufhin beim Papst. "Das könnte man durchaus als unfreundlichen Akt betrachten", meint Grotzky amüsiert.

Nicht nur Musiker, Sänger und BR-Hörer werden an diesem Samstag beim Papst sein, auch Münchens Kardinal Wetter sitzt im Auditorium. Eine Selbstverständlichkeit? Nicht immer. Im Oktober 2005 hatten die Münchner Philharmoniker eine Einladung an den Kardinal versäumt. Dass er nun im Vatikan die Neunte höre, so heißt es, sei eine späte Genugtuung.

Live-Übertragung an diesem Samstag, 18 Uhr, im Bayerischen Fernsehen und auf Bayern 4. Am Sonntag, 10.15 Uhr, folgt im BR-Fernsehen die Reportage "Götterfunken für den Papst".

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