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Götz Alsmann

Götz Alsmann: „Ich darf meine Macken ausleben“

München - Götz Alsmann wirkt nicht so, als hätte er je versucht, um jeden Preis auf die Bühne oder ins Fernsehen zu kommen – es ist eben so. Der Mann gehört da einfach hin, und die Menschen sehen ihn gerne.

Gerade weil er so unaufgeregt ist und sein Image als letzter Bildungsbürger des deutschen Fernsehens selber ironisiert. Der Mann mit der markanten Tolle und der Liebe zur Musik der 50er- und 60er-Jahre hat nun ein Album mit französischen Chansons veröffentlicht, die er aber auf Deutsch singt: „Paris“. Zum Interview erscheint Alsmann, wie man es erwartet: freundlich, entspannt, makellos gekleidet und mit toupierter Tolle.

Ich hatte ja die Hoffnung, Sie an diesem gewöhnlichen Vormittag einmal ohne Haartolle zu erleben.

Das sagt meine Frau auch oft. Aber vergeblich.

Könnte man sagen, dass Sie im Grunde nichts anderes machen, als Ihren persönlichen Spleen auszuleben und dabei das erstaunliche Glück haben, Ihren Lebensunterhalt damit verdienen zu können?

Das trifft auf alle Phasen meiner Arbeit zu. Ob ich Rundfunk mache oder Fernsehen oder ob ich auf die Bühne gehe. Das ist ein echtes Geschenk.

Man könnte so etwas ja auch nicht simulieren?

Nein. Ich habe das große Glück gehabt, dass ich immer meine Macken ausleben durfte. Selbst als Student habe ich in einem Antiquariat gearbeitet und konnte mich da austoben. Ich durfte aussuchen, welche Bücher gekauft wurden, und hauptsächlich waren das Bücher, die mich selbst interessiert haben. Ich bin mir des Privilegs meiner Biografie absolut bewusst.

Wie es ja Nostalgie für das Lebensgefühl in der DDR gibt, kommt immer mehr eine Sehnsucht nach der guten alten BRD auf. Ziehen Sie Ihren Erfolg auch daraus, dass Sie für diese Nostalgie stehen?

Ich würde das nicht nur daran festmachen. Ich denke, diese Erinnerungen sind ein Anzeichen dafür, dass es doch viele Menschen gibt, die sich jenseits des Mainstream unterhalten lassen wollen. Der heutige sogenannte Mainstream schließt viele Menschen aus, und deswegen funktioniert das Live-Geschäft wieder so gut. Die Menschen sind einfach nicht mehr gewillt, sich mit diesem läppischen Zeug auseinanderzusetzen, das ihnen medial oft serviert wird. Die wollen sich selbstbestimmt etwas anhören, was sie vielleicht nicht jeden Tag brauchen, aber gelegentlich eben auch wollen.

Sie haben jetzt ein Album mit Chansons in Paris aufgenommen. Wie wählt man aus? Sucht man die Stücke, die eben dabei sein müssen, oder spielt man, was man mag, oder hat man den pädagogischen Ansatz, den Leuten Lieder zu präsentieren, die sie kennen sollten?

Alles trifft zu. Es sind alte Lieblingslieder, Lieblingsinterpreten. Manche Klassiker sind auch bewusst nicht dabei, weil sie so oft vorkommen. Deswegen kommen Brel oder Piaf nicht vor.

Woher kommt die Bewunderung für Frankreich und seine Künstler?

Das Motiv zieht sich seit Jahrzehnten durch die deutsche Unterhaltungsgeschichte. Was mich daran freut, ist, dass diese Lieder in Frankreich wirklich immer noch vom ganzen Volk gesungen und auch von den jungen Menschen geliebt werden. Unser Tonmeister in Paris war 40 und der Produzent 38. Denen habe ich gesagt: Ihr findet das bestimmt bekloppt, dass hier Deutsche kommen und „La mer“ singen. Da meinten die nur: Jeder mag „La mer“. Ich bewundere diese Liebe zur eigenen Liedkultur.

Wie arrangiert man Lieder, die jeder kennt, also etwa „La mer“?

Da habe ich mir wirklich Mühe gegeben. Gerade das Lied ist mit großem Aufwand arrangiert worden und kommt damit dem Original recht nahe. Ich arrangiere schrecklich gerne. Das macht mir im Grunde mehr Spaß, als Lieder zu schreiben.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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