Gold und Götter

- Tutanchamun war keiner der ganz großen Pharaonen des alten Ägypten, aber für uns ist er der berühmteste. Die Entdeckung seines Grabes 1922 durch Howard Carter ist zur Legende geworden: archäologische Sensation, glänzendes Gold - und ein Fluch, der nach wie vor heiß diskutiert wird. Raffte des Königs postumer Zorn die Grabschänder hinweg oder bloß der schnöde Zufall? Auf besondere Magie also zählen das Ägyptische Nationalmuseum Kairo und das Antikenmuseum Basel mit der Ausstellung "Tutanchamun - Das goldene Jenseits. Grabschätze aus dem Tal der Könige".

<P>Die Wissenschaftler am Nil träumen von einem neuen, gigantischen Museum im Angesicht der Pyramiden, das das komplett überlastete und veraltete Haus in der Innenstadt von Kairo entlasten soll. Dazu braucht man Hunderte von Millionen Euro, und die sollen von Tutanchamun und Kollegen eingespielt werden. Basel hingegen träumt von 500 000 Besuchern, die die Leihsumme von fünf Millionen Franken für die imposante Schau abmildern müssen. Man hat sich natürlich nicht nur Tut in die stimmungsvoll inszenierten Räume - man durchschreitet bunt bemalte Grabkammern - geholt, sondern auch diverse andere Herrschaften der Zeit von 1550 und 1330 v. Chr., darunter Thutmosis, Thuja, Juja, Amenophis, und selbst Nofretete hat ihren Auftritt. Ihren Mann Echnaton, den Religions-Revoluzzer, der nur einen einzigen Gott durchsetzen wollte, erleben wir bei der Opferfeier für den Sonnengott Aton, der kraftvolle Strahlen herabsendet.<BR><BR>Schön und auratisch sind die Schmuckstücke, die üppigen Goldverzierungen, das leuchtende Lapislazuli und das weich schimmernde Alabaster. Edel sind die Abbildungen der Herrscher und Götter, aber liebenswert machen diese adelig-göttliche und jenseitige Sphäre die weltlichen Kleinigkeiten, die darin integriert wurden: etwa die entzückende Schwimmerin, die Teil eines hölzernen Salblöffels ist, der schwarzweiß gefleckte Kopf eines Kalbs oder die Fayencen in Form von Früchten.</P><P>Bis 3. Oktober, <BR>Tel. 0041/ 61/ 201 12 12. <BR>Eintritt: 28 Franken. <BR>Informativer Katalog, Hirmer Verlag: 49,90 Euro, in der Schau 58 Franken.<BR><BR></P>

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