Gott auf dem Perser

- Wenn er die Finger übers Griffbrett seiner Gitarre gleiten lässt, proben die Nackenhaare regelmäßig die "La-Ola"-Welle. Er drängt sich nicht auf, spielt seinen Blues weich. Und doch wohnen seinen Soli Esprit und Feuer inne und eine schier unerschöpfliche Fülle melodischer Ideen. Sein Name ist Derek Trucks. Er steht schräg links hinter Gott. Gott steht in Schlabberhosen und Sneakers auf einem Perserteppich und nimmt freundlich grüßend die Anbetung der versammelten Gemeinde entgegen, die ihn in der Münchner Olympiahalle feiert.

Der beste Gitarrist der Welt ist er heute Abend nicht, und auch nicht der beste auf der Bühne - das Attribut gebührt dem Kollegen.

Gott heißt mit bürgerlichem Namen Eric Clapton und hat diesen Beinamen, den ihm in der 60ern Fans andichteten, nie leiden können. Zu schüchtern war er seit jeher, um die große Galionsfigur sämtlicher Blues-Gitarristen zu spielen. Schüchtern ist er immer noch, spricht - außer "Dankeschön" - nichts zu seinen Verehrern und verlässt seine acht Quadratmeter Orient kaum. Eine gigantische Bühnenshow mit Sprints von einer Seite zur anderen erwartet allerdings auch niemand von dem 61-Jährigen: Die Augen zu, ganz dem Blues ergeben singend und spielend, so schätzt das Publikum den alten Meister "Slowhand".

Ein Clapton-Konzert pendelt seit jeher zwischen zwei Extremen: dem kurzen, knackigen Rock der Hits - und ausgedehnten Blues-Sessions. Heute stehen teilweise vier Gitarristen auf der Bühne, und jeder kommt zu seinem Recht. Da gibt es großartige Momente, aber leider öfter mal auch technisch brillantes, ödes Gedudel. Dann verhält es sich mit diesem Blues wie mit Claptons Hosen: Großflächige Risse und Flicken sollen anzeigen, dass das Beinkleid schon manches erlebt hat. Aber man spürt einfach, dass sie von einem Nobeldesigner dort platziert wurden und dass die Hose aus der Boutique stammt.

Immer aufregend klingt dagegen Trucks. Die Gitarre des jungen, dicklichen Mannes mit dem blonden Pferdeschwanz weint, lacht, röhrt, ob mit oder ohne "Bottleneck" gespielt: Trucks, der ohne Plektrum, nur mit den Fingern zupft, verzichtet auf Netz und doppelten Boden, traut sich mehr als der Routinier Clapton, dessen Perfektion das nicht aufwiegen kann.

Bei den vielen alten Hits im Programm kann freilich nichts schiefgehen: "Pretending" eröffnet knackig, "After Midnight" hoppelt fröhlich, "Layla" pumpt, und "Wonderful Tonight" schmust. Trotzdem: Wäre nicht Messdiener Trucks gewesen, wir hätten bei diesem Gottesdienst ein Gähnen bisweilen nicht unterdrücken können.

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