Wie Gott ihn träumt - München würdigt den großen Künstler Loriot

München - Braucht Loriot die Auszeichnung einer Kommune? Diese Frage, die Oberbürgermeister Christian Ude im Alten Münchner Rathaus stellte, ist so abwegig nicht: Vicco von Bülow hat vom Bundesverdienstkreuz bis zum Bayerischen Verdienstorden alles in der Schublade, was es an nationalen Ehren gibt.

Der 84-Jährige blickt zurück auf ein schlackenfreies künstlerisches Werk in verschiedenen Disziplinen. Jetzt noch der Kulturelle Ehrenpreis Münchens. "Um die Wahrheit zu sagen", meinte Ude, "wir wollten uns ein Geschenk machen. Wir gratulieren uns zum Preisträger Loriot."

Und so stellte sich der Rückenschmerz-Geplagte an der Seite seiner Gattin Romi ins Blitzlichtgewitter und tat ihnen den Gefallen. Als Laudator hatte man Kritiker Joachim Kaiser bestellt, der sich mit der Aufgabe konfrontiert sah, so wenige Eulen wie möglich nach Athen zu tragen. Das gelang ihm, indem er von Bülow zum Beweis dafür erkor, dass die Deutschen eben doch Humor - wenn schon nicht haben, dann doch immerhin zu schätzen wissen. "Da wurde jemand zum Medienstar der Nation, der nie kokettierte mit grellen Dummheiten, grellen Nuditäten, blöden Witzeleien. Wir machten unseren nobelsten und perfektesten Humoristen zum beliebtesten Entertainer." Seine Disziplin wie sein Witz seien preußisch, und das dürfe man auch in Bayern nicht gering schätzen. "Loriot ist ein Preuße. Aber ein Preuße, wie Gott ihn träumt."

Loriot zeigte sich ergriffen: "Was ich in der letzten halben Stunde gehört habe, ist nicht auszuhalten", sagte er - errötet sei er, fast so sehr wie Udes Krawatte. Dann stellte er die Fragen, "Was ist Kultur?", und was habe er damit zu tun und beantwortete beides im berühmten Ohrensessel, wo er sieben Sketche anmoderierte.

Nachdem man Tränen gelacht hatte über Menschen, die von Rilkes Duineser Elegien schwärmen, während sie im Flugzeug ekelerregendes Essen zu sich nehmen, oder ein Orchester, das dem Dirigenten Richtung Rumba davoneilt, zeigte sich von Bülow demütig: "Das Wort Ehre spielt eine Rolle bei diesem Preis, und es ist mir eine Ehre, dass ich ihn bekomme." Da hatte ihm sein Publikum mit Ovationen aber längst gezeigt, dass nicht nur er es ist, der sich geehrt fühlen muss. 

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