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Wieder auf Sendung: Thomas Gottschalk kehrt auf Bayern 1 zurück zu seinen beruflichen Wurzeln. 

Radio-Comeback am Sonntagabend

Gottschalks Retro-Sause auf Bayern 1

München - Thomas Gottschalk ist zurück im Radio. Am Sonntagabend feierte der Moderator Premiere auf Bayern 1. Lesen Sie hier unsere Kritik zu „Pop nach 7“.

Halleluja, Thommy ist wieder da! Und er spielt Leonard Cohen, Johnny Cash und das Electric Light Orchestra! Mit drei Stunden prächtig patinierter Radiounterhaltung hat Thomas Gottschalk am Sonntagabend sein BR-Comeback gegeben. „Gottschalk – Die Bayern-1-Radioshow“ heißt die Retro-Sause, die jetzt jeden ersten Sonntag im Monat läuft.

Das Konzept hat sich seit „Pop nach 8“ nicht verändert, wie der Spätaufdreher aus Kulmbach verriet: „Ich erzähle, was man von mir gewohnt ist – mehr oder weniger großen Unsinn.“ Und er quatscht unverdrossen in die Songs rein, was aber niemanden mehr stört, weil kein Mensch mehr Kassetten aufnimmt. Gottschalks neues „Pop nach 7“ ist garantiert David-Guetta-freie Zone, mit Musik von gestern („Ich habe mich am Luther-Jahr orientiert“) und mit Thommy-Humor von heute: „Zwischen Helmstadt und Wertheim/Lengfurt liegt ein Reifen auf der Fahrbahn. Und Vorsicht: Bei Bayern 1 steht ein Reifer am Mikrofon.“ Seine Frage des Abends: „Und, scheppert das?“ Na klar – und wie das schepperte!

Herausforderung Verkehrsservice

Gottschalks Heimkehr startete um kurz nach 19 Uhr mit einer echten Herausforderung – mit dem „Bayern-1-Verkehrsservice mit minutengenauer Stauzeitmessung“. Thommy haderte mit dem neumodischen Zungenbrecher und fragte sich zurecht: „23 Minuten Zeitverlust im Stau, woher wissen die das?“ Aber er brachte den Verkehr natürlich ebenso unfallfrei über die Runden wie den Wetterbericht, den er ebenfalls vorzulesen hatte: „Morgen an den Alpen zunehmend sonnig.“ Man sieht – mit Gottschalk wird sogar das Wetter besser. Genau wie die Musik. Statt Formatradio mit dubioser Songauswahl aus dem Computer gab’s ausnahmsweise Radio mit Format, mit Fleetwood Mac, Police, Guns n’ Roses und einer doppelten Portion Status Quo. Wie gesagt, Luther-Jahr – Thommys Musikgeschmack ist jede Reform fremd. Wobei: Er spielte sogar ein Lied aus dem Jahr 2016, „Rowdy“ von der herrlichen Country-Röhre Gretchen Wilson, aber das war wohl eher ein Versehen.

Axel Milberg als Gast

Gottschalk war wieder dahoam in seiner Melodie und in seinem Unfug, den ihm nach wie vor keiner nachmacht. Er verriet in seinem „Radio Gaga“, was das Betthupferl mit Kiss zu tun hat, veranstaltete mit Gast Axel Milberg seinen eigenen Radio-Tatort und spöttelte über die Backfische von einst: „Mädchen mit Leonard Cohen im Plattenschrank – das waren immer die Mädchen, die viel nachgedacht haben. Und wer viel nachgedacht hat, hat sich mit mir nicht eingelassen.“

Trauer um Rick Parfitt

Lustig war’s, aber auch melancholisch. Das Alter, das Sterben, das sind Themen, die den späten Gottschalk mit 66 bewegen: „Ich bin einer der wenigen Prominenten, die 2016 überlebt haben. Aber für 2017 sehe ich schwarz.“ Er gedachte seinem Spezi Rick Parfitt von Status Quo, und hatte einen Wunsch für sein eigenes letztes Stündlein: „Ich hoffe, meinen letzten Ton spreche ich in ein Mikrofon.“ Was allerdings nicht ganz ernst gemeint war. Denn in Thommy steckt hörbar noch jede Menge Leben.

Gottschalk beichtet seine Sünden

Und es gibt noch viele alte Sünden zu beichten. Er gestand, dass er die legendären Charts in „Pop nach 8“ damals immer selbst erfunden hat (was jeder Stammhörer eh wusste): „Jetzt kann ich’s ja zugeben, der Hoeneß hat auch alles zugegeben.“

Mit aktuellen Hörerreaktionen konnte Gottschalk gestern noch nicht dienen, denn Facebook und Twitter liest er ja nicht, und bei den Mails gab es auch ein altersbedingtes Problem: „Ich krieg hier reizende E-Mails, kann sie aber nicht lesen, weil ich draußen meine Brille vergessen habe.“ Der alte Meister darf aber davon ausgehen: Wer „Pop nach 8“ geliebt hat, hatte auch mit „Pop nach 7“ jede Menge Spaß.

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