Graf Danilo und der Wandschoner

- "Heut' geh' ich ins Maxim, dort bin ich sehr intim", trällerte Franz Lehá´rs Graf Danilo. Zum Schwerenöter aus der "Lustigen Witwe" passt das auch. Wer hätte aber gedacht, dass sich der Ohrwurm auf einem launigen Wandschoner, einem Stickmustertuch von 1905, wiederfindet? Hier erwartet man doch zweckgebundene Sprüche, die die sittlichen Eigenschaften der ordentlichen Hausfrau und fleißigen Köchin festhielten.

<P>Das Modemuseum im Münchner Stadtmuseum liefert ein gänzlich überraschendes und obendrein wunderschönes Bild vom Stopfen und Sticken, vom Flicken und Nähen in den letzten Jahrhunderten. Und _ setzt so manches Vorurteil von Handarbeitsbekrittlern außer Kraft. "Frauenlob _ zwischen Kreuzstich und Nähtisch" erzählt anhand kostbarer Exponate vom vielseitigen "Nadelgeld" als dekorativem Kissenbezug, als Socken und Leibwäsche, als Schirmhülle und Schondecke.</P><P>Man bewundert Buchstabenstickerei auf Leinen, pastorale und mythologische Nadelmalerei oder in "Richelieu-Technik" gefertigte Taschentücher. Man ist begeistert vom schnörkeligen "Hüllenwahn" aus Filetnetz, Japanseide, Wollsamt für Kaffeekannen, Nachtgewänder und Hutschleier oder staunt über aus böhmischen Glasperlen gefertigte Klingelzüge.<BR>"Aus zwei mach' eins" lautete das Motto für die Nachkriegszeit, und das wohl ungewöhnlichste und anrührendste Prachtstück ist ein Faschingskostüm von 1946. In die erste närrische Zeit nach dem Krieg zog eine Münchnerin mit ihrem bunten Fleckerlkleid aus Hunderten und Aberhunderten gehäkelten, abwattierten und bestickten Wollrosetten. </P><P>Besonders schön ist die Gestaltung der Schau selbst (Direktor Andreas Ley) als ein durchdachtes "Mustertuch": Drei Schaukästen bilden übergroße Kreuzstiche nach, in der Merk- und Signalfarbe Rot. Das Raummuster ist umwoben von eckigen Vitrinen und soll an die Klöppelarbeit von "Schrankspitzen" erinnern. Und das kühle Delfter-Blau, das weiß die geübte Hausfrau selbstverständlich, steht für Reinlichkeit und Frische. </P><P>Bis 22. Juni 03, Di-So 10-18 Uhr, Tel.: 089/ 233 233 70.<BR>"</P>

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