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New Yorker bei den Hillbillys: Hugh Grant und Sarah Jessica Parker müssen im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms in „Haben Sie das von den Morgans gehört?“in einem Dorf in Wyoming leben. Die Komödie startet am Donnerstag.

Grant: „Ich bin eine männliche Barbra Streisand“

Mit dem Münchner Merkur sprach Schauspieler Hugh Grant über sein Selbstverständnis und die Unterschiede zwischen Sarah Jessica Parker und einem Braunbären.

Hugh Grant hat sich seit seinem Durchbruch mit „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ 1994 fast unbemerkt zu einem der profitabelsten Stars unserer Zeit hochgearbeitet. Das gute Dutzend Filme, das der 49-Jährige seitdem gedreht hat, hat weltweit über zwei Milliarden Dollar in die Kinokassen gespült. Grant selbst bekommt längst zweistellige Millionengagen. Mit Filmen wie „Notting Hill“ oder den „Bridget Jones“-Hits ist er auf Liebesgeschichten festgelegt, obwohl er in bemerkenswerten Werken wie „About a Boy“ auch ein Talent zur Tragikomödie offenbarte. Nun startet „Haben Sie das von den Morgans gehört?“ – eine Liebes-Komödie. Im Gespräch balanciert Hugh Grant, wie stets in Interviews, virtuos zwischen Zynismus und vergnüglichem Geplauder.

Der Film spielt in einem winzigen US-Kaff, und Sie haben tatsächlich in einem sehr kleinen Dorf gedreht. Wie war das?

Ich habe so etwas noch nie erlebt. Das Dorf ist so klein, dass es nicht einmal ein Hotel gibt. Also stimmte ich zu, vermutlich war ich da völlig betrunken, in einem Wohnwagenpark mit dem kompletten Team zu campen. Geduscht haben wir in der Dorfschule und abends haben wir draußen gemeinsam gegessen. Es war fantastisch. Es war wie ein Klassenausflug.

Im Film treten Sie neben einem Bären und neben Sarah Jessica Parker auf. Was war leichter?

Ach, sie waren sich recht ähnlich. Sie sind beide Perfektionisten und achten sehr darauf, wie sie vor der Kamera wirken.

Sie haben 1996 schon einmal mit Parker gedreht, bevor sie durch „Sex and the City“ Kult wurde. Hat sie sich verändert?

Ja, aber nur zum Besseren, würde ich sagen. Damals mochte ich sie, aber wir hatten keine besondere Beziehung zueinander und verloren danach den Kontakt. Diesmal sind wir echte Freunde geworden. Sie ist einfach die Art Frau, die mir gefällt: sehr komisch, sehr klug, und sie benimmt sich nicht wie eine Schauspielerin, wenn Sie wissen, was ich meine.

Würden Sie zustimmen, dass Sie einer der wenigen Schauspieler sind, die ein eigenes Genre begründet haben? Es gibt den John-Wayne-Film, den Arnold-Schwarzenegger-Film und eben den Hugh-Grant-Film…

Ich überlege gerade, ob das gut oder schlecht ist. Was denken Sie? Ich habe keine Ahnung. Ich habe viele romantische Komödien gedreht, das stimmt natürlich. Ich gebe jedes Mal mein Bestes. Und ich suche die Filme gut aus. Seit „Vier Hochzeiten“ habe ich nie wieder nur wegen des Geldes gedreht. Ich wähle Projekte aus, von denen ich glaube, sie könnten unterhaltsam sein. Ich mache keine aufgeblasenen Festivalfilme. Ich will Menschen unterhalten, und das ist eine schwierige Aufgabe.

Also bleiben Sie bei Hollywood-Romantik-Komödien?

Ich weiß nicht. Der Druck ist wegen des vielen Geldes immens, und europäische Filme haben etwas, das mir gefällt. Ich habe mich einmal mit Florian Henckel von Donnersmarck in einem Pub betrunken und über ein gemeinsames Projekt unterhalten.

Und?

Es wurde nichts daraus. Das ist aber auch schon zwei Jahre her. Was macht der Kerl eigentlich gerade?

Würden Sie gerne einmal in Deutschland drehen?

Ich habe schon einmal in Deutschland gedreht, 1990. Es war ein sehr schlechter Film. Aber ich brauchte das Geld. Er hieß „A Night Train To Venice“ und ist meines Wissens niemals im Kino oder auf DVD oder auch nur im Fernsehen gezeigt worden. Zum Glück. Der Regisseur war ein Wahnsinniger. Die Handlung ergab nicht den geringsten Sinn. Aber wir haben in München gedreht. Das war eine sehr schöne Erfahrung. München hat mir ausnehmend gut gefallen. Insofern war es in Ordnung.

Als wir Sie das letzte Mal gesprochen haben, beklagten Sie sich über Ihren Beruf und kündigten Ihren Rückzug von der Schauspielerei an. Das ist fünf oder sechs Jahre her – und Sie drehen immer noch Filme.

Ich bin ein Lügner… Wie soll ich sagen? Alles am Filmemachen gefällt mir. Ich bin eine Art männliche Barbra Streisand – ich kontrolliere alles. Das Drehbuch, die Besetzung, wer Kameramann wird, wie man es vermarktet, wie der Trailer aussehen soll. Aber der eine Teil, der mich wirklich langweilt, ist die Schauspielerei. Einfach, weil es so langsam ist. Ein Film dauert 90 Minuten und es dauert über drei Monate, ihn zu drehen! Man muss tagelang immer wieder dieselben Zeilen aufsagen. Kein Schauspieler findet das interessant.

Viele Ihrer Kollegen gehen deswegen gerne mal zurück ans Theater.

Ja, aber ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Wie ich immer sage: Theater ist für die Schauspieler mehr Spaß als für das Publikum. -Wie meinen Sie das? Ich habe herausgefunden, dass man die beste Zeit mit anderen verbringt, wenn man mit ihnen arbeitet. Mehr jedenfalls, als bei Verabredungen zum Essen oder dergleichen.

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