"Gréco, singen Sie jetzt"

- Noch im vergangenen Jahr füllte ihr Konzert die Philharmonie im Münchner Gasteig. Und es kamen nicht nur die "Alten", um Juliette Gréco zu erleben. Diese Frau: ein Wunder an Kontinuität, an Geschmack, an Treue zu sich selbst. "Zeitlos" wäre auf sie bezogen das falsche Wort. Denn in ihrem Vortrag leugnet sie nicht ihr Alter.

Wenn sie mit noch rauchigerer, noch tieferer Stimme als früher von der Liebe singt, vom Leben, von der Freiheit und den kleinen Dingen des Alltags, dann kaschiert die Gréco nicht die Jahrzehnte, dann schöpft sie aus ihnen Kraft, Witz und Identität mit sich selbst. Heute wird sie, die letzte große Chansonsängerin Frankreichs, ein Monolith ihrer Nation, 80 Jahre alt.

Eine Frau in Schwarz seit ihrer Jugend. Seit die Südfranzösin aus Montpellier als 20-Jährige zur Muse der Pariser Linksintellektuellen avancierte. Seit sie im Nachkriegsfrankreich ihre ersten Auftritte in den verrauchten Diskussionszirkeln der Existenzialisten absolvierte. "Wie ist es nun, Gréco, singen Sie jetzt", wurde sie immer wieder gefragt. Und die Stars der Szene, Jean-Paul Sartre, Albert Camus oder François Mauriac, schrieben der Schönen die Texte. Grécos Lieder gingen um die Welt. Ebenso ihre Art, sich zu stilisieren.

Schwarzer Rollkragenpullover, enge Hosen, tiefer Pony, schwarz geschminkte Augen ­- das beeinflusste eine ganze Generation. Auch die Deutschen, nachdem die Künstlerin 1959 als erste französische Sängerin im Nachkriegsdeutschland gastierte. Das Geheimnis ihres dauerhaften Erfolges: Mit ihr konnte, mit ihr kann sich das Publikum identifizieren.

Die Gréco, die immer auch mit ihren Liebschaften, etwa mit Jazztrompeter Miles Davis, und Ehen, zum Beispiel mit Schauspieler Michel Piccoli, Aufsehen erregte, sagte einmal: "Ich bin nur ein kleines Sandkorn." Als solches aber hört die Unermüdliche nicht auf, gegen die Rechtsextremen zu kämpfen.

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