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Bäriger Bariton: Gregory Porter aus Kalifornien.

Konzert in der Muffathalle

Gregory Porter, der Popstar des Jazz: So wundervoll

München -Er erdet den Jazz durch Gefühl: Gregory Porter -   der "Popstar des Jazz"-  stellte am Mittwoch sein Grammy-gekröntes Album in der Münchner Muffathalle vor. 

Sie nennen ihn den „Popstar des Jazz“. Dieser Titel birgt bei aller Ehre für Gregory Porter großes Gefahrenpotenzial: dass man ihn als eine Mode-Erscheinung versteht, als eine Galionsfigur einer Musikrichtung, die mit einem Verfallsdatum versehen ist. Das wäre fatal, weil es dem 43-jährigen „Nachwuchskünstler“ nicht gerecht wird. Zugegeben: Der Kalifornier hat sich spät ins Geschäft gewagt und schnell ein großes Publikum verzückt. Sein Grammy-gekröntes Album „Liquid Spirit“ stellte er am Mittwoch in der ausverkauften Münchner Muffathalle vor.

Innerhalb weniger Minuten war klar: Dieser Mann wird der Musikwelt erhalten bleiben. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum Beispiel Porters Bühnenpräsenz, die den großen Jazz-Entertainern in nichts nachsteht. Oder die Fähigkeit, seinen Songs live neue Facetten zu geben. In „No Love Dying“ zum Beispiel baute er sein Publikum als Background-Chor ein, in „On My Way To Harlem“ Marvin Gayes Klassiker „What’s Going On“ und in „Liquid Spirit“ den Spiritual „Wade In The Water“. Mit der Wahl seiner Stargäste – Max Herre und Roberto Di Gioia – reicherte er sein Repertoire um eine weitere Facette an: um den Hip-Hop. Zu erleben gab’s die MTV-Unplugged-Kooperationen „Vida“ und „So wundervoll“. Nicht nur musikalisch reizvoll, sondern auch passend: Beide Musiker verstehen ihre Kunst schließlich auch als Verkündigung von Werten.

Und wer sah, wie warmherzig der bärige Bariton dabei unter seiner charakteristischen Kopfbedeckung – eine Ballonmütze, kombiniert mit einem Tuch – lächelte, der kam gar nicht darauf, Plattitüden zu wittern. Porter meint das ernst und beweist es, in dem er den Songs mit seiner angenehmen, nie angestrengten Stimme Herz und Seele schenkt. Womit sich auch sein Erfolg erklären lässt: Gregory Porter besitzt die Gabe, das vermeintlich im Auskenner-Olymp befindliche Genre Jazz durch Gefühl zu erden.

Christoph Ulrich

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