An der Grenze

- Kaffee schmeckt nur frisch geröstet, doch Star-Tenor Luciano Pavarotti ist im Rentenalter noch immer gefragt. Die Karten zum angeblich letzten Deutschlandkonzert des Klassik-Schwergewichts in der Münchner Olympiahalle gab's jedenfalls nur bei Tchibo hierzulande und in Österreich über ein Losverfahren zu kaufen. Und entgegen aller Absage-Befürchtungen kam der einstige Ritter des hohen C und sang.

Doch gleich zu Beginn gab es zu den einzig vom Klavierspiel Leone Magieras begleiteten Kompositionen von Banoncini, Scarlatti und Legrenzi vehemente Unmutsrufe aus dem Publikum. Die Bühne war nämlich mit einem schwarzen Vorhang verhängt und versperrte den seitlich vorne sitzenden Gästen die Sicht auf ihr Objekt der Begierde. Ihnen blieb daher nur der Blick auf die Bildschirme.

Erst nach der Pause fand er zu alter Form

Sopranistin Cynthia Lawrence sang anschließend unbeeindruckt von den massiven "Vorhang auf"-Chören ihre Bellini-Arien, und Pavarotti machte persönlich darauf aufmerksam, dieser Abend sei in seiner Mischung aus Recital und Konzert ein Experiment. Ist doch alles nachzulesen: "It's written in the program. Thank you."

Der Vorhang blieb zu, bis das Budapester Konzertorchester MAV unter Leitung von Leone Magiera mit dem Intermezzo aus Mascagnis "L'amico Fritz" begann. Die dramaturgische Konzeption und die Unnachgiebigkeit der Veranstalter waren publikumsunfreundlich und sprachen für sich.

"A Night to Remember" ist der Titel dieser Abschiedstournee, die der 68-jährige Pavarotti unternimmt. Er plant, bis 2005 zu singen, dann wird er 70. Wo er auch auftritt, werden die Säle voll sein. Doch bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung: Pavarotti hat stimmlich längst seinen Zenit überschritten, ist an seine biologischen Grenzen gelangt. Er forciert, presst, singt Höhen nicht mehr aus - und das nicht nur in anspruchsvollen Arien von Mascagni und Leoncavallo.

Zu Beginn des Konzertes konnte er kaum einen höheren Ton halten, die Vorstellung drohte peinlich zu werden. Nach der Pause fand er, angespornt im Duett mit Cynthia Lawrence, fast wieder zu alter Form, doch selbst bei Reißern wie "Mattinata", "Granada", oder "O sole mio" fehlte die Stimmkraft. Der wahre Pavarotti-Enthusiast ignoriert all das und feiert den längst zur Legende und Mythos gewordenen Maestro, der noch immer mit charmanter Bühnenpräsenz sein Publikum begeistert - für beide ist es schwer, Abschied zu nehmen.

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