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Benyamin Nuss gibt am 14. Oktober, 20 Uhr, im Carl-Orff-Saal des Gasteig ein Konzert mit Musik des japanischen Videospiele-Komponisten Nobuo Uematsu.

Grenzgänger

München - Die einen werden fragen: „Nobuo wer?“ Die anderen: „Auf dem Konzertflügel?“ Jungpianist Benyamin Nuss (geboren 1989) wagt den Spagat zwischen zwei scheinbar weit entfernten Welten.

Er debütiert auf CD mit einem Klassiker der anderen Sorte: dem Gottvater japanischer Videospielmusik, Nobuo Uematsu. Morgen ist er damit außerdem live im Münchner Gasteig zu hören.

Die Stationen Ihrer Pianisten-Karriere sind unter anderem erste Preise bei „Jugend musiziert“ und dem Steinway-Wettbewerb. Wie aber sieht Ihre Gamer-Karriere aus?

Als ich zwei oder drei war, hatte mein Vater den ersten Gameboy und die erste Nintendo-Konsole. Da habe ich immer zugeschaut. Und durfte dann mit fünf auch mal dran. Weiter ging’s mit dem Super Nintendo, dann Playstation, PS 2 und jetzt PS 3.

Wann haben Sie dabei erstmals bewusst die Musik von Nobuo Uematsu wahrgenommen?

Bei „Final Fantasy X“, da war ich 13, 14. Vorher haben mich Rollenspiele nicht so interessiert, ich fand die immer viel zu lang: 80 Stunden muss man da spielen! Das war das erste Rollenspiel, das mich gepackt hat – und wo ich merkte, dass ich durch die Musik mehr ins Spiel reingezogen werde.

Was zeichnet Uematsu als Komponisten aus?

Drei Sachen. Er schafft es, mit wenigen Noten eine tolle Melodie zu schaffen, die alles auf den Punkt bringt. Zweitens: Er trifft den Charakter in der Spielhandlung immer ganz genau. Und drittens finde ich auch seinen Stil einzigartig – diese Mischung aus Klassik, Pop, Schlager, Jazz und japanischer Kultur.

Wie kam’s zu der CD?

Das war meine eigene Idee. Schon damals habe ich den Soundtrack von „Final Fantasy X“ als MIDI-Files runtergeladen, im Notenprogramm zusammengestellt und auf dem Klavier nachgespielt. Letztes Jahr gab es dann ein Schlüsselerlebnis. Da war „Symphonic Fantasies“ in der Philharmonie in Köln, und ich habe zum ersten Mal miterlebt, dass so was auch im Konzert stattfindet, arrangiert für großen Chor und Orchester. Das fand ich supertoll. Und: Das Publikum! Von Anfang bis Ende komplett dabei, konzentriert, keinen Mucks – und nach den Stücken haben sie wie verrückt geschrien. Das hat mich so fasziniert, dass ich dachte: „Das kann man bestimmt auch für Klavier machen. Gepaart mit verschiedenen Arrangeuren – das könnte richtig interessant werden!“

Wie haben Sie die Arrangeure ausgewählt?

Jonne Valtonen kannte ich durch „Symphonic Fantasies“. Bill Dobbins war früher der Chef der WDR Big Band, in der mein Vater spielt. Shiro Hamaguchi kannte ich von den japanischen „Piano Collections“ und Alexander Rosenblatt durch seine Zusammenarbeit mit Yo Yo Ma und Nikolai Tokarev. Der hat diese jazzigen Paganini-Variationen geschrieben. Mir war es wichtig, dass man sehr viele Farben hat auf dem Album, dass es sehr international besetzt ist.

Es sind keine banalen Melodie-und-Begleitung-Transkriptionen.

Genau. Sie haben diese Art von Improvisation wie bei Liszt. Denn es geht hier erstmals um die Interpretation von Uematsus Musik, nicht nur eine Wiedergabe.

Haben Sie für diese Stücke eine besondere Herangehensweise?

Ich denke, man muss an die Videospielmusik genauso herangehen wie an ein klassisches Werk. Ich gucke mir an: Wie muss ich welche Note interpretieren, damit die Stimmung ankommt, die Message.

Was war musikalisch-pianistisch die größte Herausforderung?

Jonne Valtonen zum Beispiel nimmt viele Elemente aus der Neuen Musik, auch klaviertechnisch gesehen. Weil ich nicht so viel moderne Musik spiele, bin ich erstens technisch weitergekommen. Und dann war es auch eine Supererfahrung für mich, mir dieses Programm mit neuem Material so schnell anzueignen.

Was heißt schnell?

Die Zeitspanne ging von drei Monaten vorher bis zu zwei Wochen vorher. (Lacht.) Und im Studio hatte ich drei Tage.

Sie hatten mit dem Programm erste Konzerte. Welches Publikum war da, und wie hat es reagiert?

Was ich auch erreichen will: Nicht nur vielleicht junge Leute wieder für Klassik begeistern. Sondern die Leute anzusprechen, die noch nie was von Videospielmusik gehört haben. Denn die wirkt auch ohne den Hintergrund der Spiele. Die Melodien reißen mit. Wir haben ein paar Auftritte gegeben vor Publikum, das keine Ahnung hatte. Ohne dass die irgendeine Geschichte wussten, hat’s die begeistert. Dann haben wir aufgelöst, dass das Videospielmusik war. Die waren natürlich überrascht! Die hätten nie gedacht, dass auf so einer Ebene so viel Kultur stattfindet.

Das Gespräch führte Thomas Willmann.

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