Grenzgängerische Tendenzen

- Der Sommer war bisher null. Dafür wird's aller Voraussicht nach zumindest ein heißer Herbst - mit Münchens Dance 2004 (26. 10. - 7. 11.). Ein riesiges Programm (rechtzeitiger Besuchs-Fahrplan ist anzuraten) erwartet nicht nur die eingefleischten Tanz-Fans. Denn in den 15 quer über den Globus ausgesuchten Tanzproduktionen, die Kuratorin Cornelia Albrecht gezielt intellektuell umrankt mit Symposien, Künstler-Podien, Filmreihen und Architekturmodellen, werden die grenzgängerischen Tendenzen der 90er-Jahre noch weiter fortschrieben.

<P>Heißt: Tanz, verstärkt Literatur, Neue Musik (!) und Neue Medien präsentieren sich bei dieser neunten internationalen Münchner Tanz-Biennale in ihren "Allianzen/ Differenzen".<BR><BR>Ein Motto, das auch für die Festival-Struktur selbst gilt. Denn ohne gute Partner kein Dance: Vom Festival-Budget von 650 000 Euro kann die Stadt nur 540 000 Euro leisten. Es springen bei: Spielmotor München e. V. und eine ganze Latte von Spielstätten und neuen Co-Produzenten bis hin zur Münchner Tanztendenz und dem Berufsverband Bildender Künste (BBK) mit seinen Galerieräumen für eine Installation des Choreographen Cesc Gelabert mit dem illustren New Yorker Videokünstler und Cunningham-Dokumentaristen Charles Atlas.<BR><BR>Das Bayerische Staatsballett koppelt sich wieder an mit "Ballettlabor 2", diesmal von dem langjährigen Forsythe-Tänzer und Choreographen Tony Rizzi, der sich als "visual artist" versteht und sich, quasi Bausch-mutig, Vollblut-Theaterpferd Irene Steinbeißer, das älteste Ensemble-Mitglied, ausgesucht hat. Könnte sehr spannend werden.<BR><BR>Wondratschek bei Dance</P><P>Dito die "Allianz"-Arbeiten: "tuned" von der japanischen Performerin Kazue Ikeda & Medienkünstler Chris Ziegler. Die Tanzoper "Traumtext" (nach Heiner Müller) der Münchner Komponistin Helga Pogatschar für Cesc Gelabert. "Chucks Zimmer" von und mit Dichter Wolf Wondratschek, Sprechkünstler Christian Reiner und Impro-Körpergenie Julyen Hamilton. "Ma" ("Mutter/Erde"), ein Percussion- und Sprechgesang-Tanzkonzert von dem weltweit erfolgreichen Anglo-Bangladeschi Akram Khan.<BR><BR>Neben seinem indischen Schöpfungs-Märchen noch zwei "große Brocken": Ohad Naharins "Mamootot" von seiner israelischen, bekanntermaßen dynamisch bewegten Batsheva Dance Company und "Joe", ein wieder aufgenommener Klassiker des 2002 verstorbenen Kanadiers Jean-Pierre Perrault für 32 Männer nur zur Rhythmus-Musik ihrer schweren Stiefel. Mit drei weiteren Produktionen aus Montreal bildet Kanada einen Dance-Schwerpunkt.<BR><BR>Es "danced" von Muffathalle bis Prinzregententheater, Gasteig, i-camp und Haus der Kunst.</P><P>Karten 089/ 54 81 81 81, www.muenchen-ticket.de<BR></P>

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