Griechen-Grazie

- Troja hat er miterobert, Sirenen, Kyklopen, den Seeungeheuern Skylla und Charybdis entkam er und brauchte doch 20 Jahre, bis er zur keusch harrenden Penelope nach Ithaka zurückkehren konnte: Homers "Odyssee". An dieses Mammut-Epos von spätestens 700 v. Chr. wagte sich jetzt höchst mutig das Theater viel Lärm um Nichts: schräg weit weg von trockener Schullektüre segelt nun Kriegs- und Frauen-Held Odysseus durch die mediterran hell getünchten Gefilde der Pasinger Fabrik (Tel. 089/83 42 014) .

<P>Auf inselartiger Plattform (Ausstattung mit Pfiff: Hahn-Lüps/Kloker/Weixler) lungert schlaff pubertär Wollmützen-Telemachos, den gleich Athene zur Vater-Suche anspornt. Und ab geht's zu Menelaos und Helena, die - klar, Siegerparty "after Troja" - gerade ordentlich am Kiffen sind, ab durch die 12 200 Hexameter, die Margrit Carls (Skript & Regie) mit viel Sprachwitz heutig durchgeschüttelt hat. Schnoddert einer der Freier: "Jetzt ist der Lappen fertig" (das von Penelope absichtlich nie fertig gewebte Gewand). Und "bin ich a Möwe?" motzt Hermes, der im Götterbotengewand verstaubter Ballettmoden auf Tretroller zur Nymphe Kalypso flügelt, damit sie Odysseus freigebe. Der dann unter Meeresgeheul armselig-nackt an den Raumpfeiler gespült wird.</P><P>Dieser Literaturbrocken sackt schon mal ab in den umweg-verschlungenen Irrfahrten. Aber Carls (er-)rettet ihn, indem sie geschickt hin- und herpendelt zwischen ernst genommenem Homer, den vor allem der ausgezeichnete Andreas Seyferth (Odysseus) vertritt, und komisch-ironischen Szenen, die mit der mokanten Grazie von Michael Greza (Zeus, Poseidon etc.) zu Glanzlichtern werden. Wohl geht in der szenischen Fantasie - Schweine-Clowns, Griechen-Rap - ein bisschen unter, was Carls' Odysseus denn nun eigentlich für ein Typ sein soll; ist ja knifflig, weil der Kerl bei Homer schon so schillert. Dafür spielen sechs Darsteller hingebungsvoll das gesamte Personal bis hin zur Phäaken-Oma und Groupie-Ziege.</P>

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