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Klaus Eberhartinger bot ein Best-of.

Griechenland an der Gurgel: Tourneeauftakt der EAV

Mühldorf - Tourneeauftakt der Ersten Allgemeinen Verunsicherung in Mühldorf. Die Konzertkritik:

Düstere Vorahnung macht sich breit. Da steht er noch keine Minute auf der Bühne, schon greift Klaus Eberhartinger zur Wasserflasche. Lass es nur den Kater vom Vorabend sein, bitte, und nicht Begleiterscheinungen eines alternden Rockstars! Ist doch Eberhartinger, 62, das singende Versprechen ewiger Jugend. Noch im Hospiz, und wenn es unsere letzten lichten Momente sind, werden wir seine Blödelverse summen: „Schuld war der Wein von Griechenland/ dass er nach Hause nur mehr kriechend fand.“ Nein – so einer darf nicht schlappmachen!

Er greift oft zur Flasche, aber er hält durch. Zum Tourstart in Mühldorf präsentiert der frisch aufblondierte Leadsänger eine Erste Allgemeine Verunsicherung, die auch im 35. Jahr recht lebendig ist. Zur „Best of EAV“-Show montiert er die Klassiker munter auf- und ineinander. Seine Konzerte sind ja stets ein unausgesprochener Kompromiss. Dieser Österreicher ist in Wahrheit ein Poet, ein Weltverbesserer, jedenfalls kein Blödelbarde. Sein Publikum aber will Reißer und Klamauk: Märchenprinz, Banküberfall, Ding Dong.

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Man erinnert sich an Touren, da passte das nicht recht. Da laberte sich Eberhartinger mehr durchs Programm, als dass er sang. Diesmal peppt er seine Nummern textlich auf. Viel geht um die Euro-Krise – Hellas aktuell: „Es war der Stein von Griechenland/ den sich Europa um die Gurgel band.“ Die Ansagen sind kurz, oft witzig. Und die Liedauswahl ist was für Genießer: „Geld oder Leben“, Kenner haben das noch auf Vinyl. Für den „Sandlerkönig Eberhard“ stellen’s ihm sogar eine Parkbank auf die Bühne.

Was fast der einzige Umbau ist. Die Kulisse reduziert sich ganz sympathisch auf ein paar Wolkerl und eine Plastikpalme für „Fata Morgana“. Dazwischen steht, nur anfangs hüftlahm, die Band. Sie würgt zwei E-Gitarren und den Bass, letzterer gezupft von Leo Bei. Ein Großer, der kurz aufblitzen lässt, dass er weit mehr kann als den Basslauf von „Küss die Hand“. Man kennt ihn vielleicht noch als „Karl Horak“ beim Ostbahn-Kurti.

Freilich: Das Fehlen von Thomas Spitzer verunsichert uns. Die bunkertiefe Brummstimme erreicht keiner der fünf Musiker, die hinter Eberhartinger routiniert, sehr rockig runterspielen und nur für „Einmal möchte ich ein Böser sein“ richtig aufdrehen. Spitzer setzt ab und zu bei Tourneen aus, wenn’s ihm zu wenig Tiefgang hat, wenn ihm Eber-hartinger mal wieder auf den Zeiger geht. Somit ist das Best-of eher eine Ein-Mann-Show.

Auch der braucht bisserl eine Anlaufphase, dann aber hupft Eberhartinger munter über die Bühne, mehrere Wasserflaschen lang. Ein Profi halt. Wenn’s mit dem Umziehen nicht so schnell klappt, wie die Choreographie vorschreibt, singt er schon los, während ihm die Assistentin noch in die Jacke hilft. Noch ist es nicht wie in seiner neuen Version vom „Märchenprinz“: „Beim nächsten Vogeltanz/ holt ihn die Ambulanz.“

Münchner Konzert: Deutsches Theater, 13. 2., Karten: 089/ 54 81 81 81.

Von Christian Deutschländer

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