Grimm und Grant

"Untertagblues" im Münchner TamS: - Als ob das Münchner TamS-Theater einige Meter tief unter die Erde gerutscht sei: Da warten die Zuschauer wie in einer Metro-Station in den Sitzreihen der zur Röhre mutierten Schwabinger Bühne. Kaum ist Jörg Hube in der Station eingetroffen, rattert eine Salve von Boshaftigkeiten und Vorwürfen aus seinem Mund.

Auf der Kunstlederbank zusammengekrümmt, ruckelt er dazu leise vor sich hin: Wir befinden uns bereits in voller Fahrt. Burchard Dabinnus hat Peter Handkes U-Bahn-Stationen-Drama und Fast-Monolog "Untertagblues" für das kleine Haus inszeniert. Und weil er dort keine große Statisterie als Passagiere aufbieten kann, kommt es zur totalen, zweistündigen "Publikumsbeschimpfung". Aber wer würde sich nicht gerne von einem wie Jörg Hube beschimpfen, von seinem gewaltigen Grimm und Grant als "Wilder Mann" überwältigen und verführen lassen?

Dass der "Herzkasperl" und Staatsschauspiel-Star so nah zu erleben ist, sich rückhaltlos dem Monolog aussetzt, ist ein Geschenk: Dieser Mann nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in seinen eigenen löchrigen, düsteren Untergrund. Weshalb es nicht schlimm ist, dass mit der Mini-Ausstattung nicht Fahrt und Stationenabfolge imitiert werden. Die sinnstiftende Gliederung der Suada gegen "Fernsichtverhinderer", Hochwürden und Universalpreisträger bleibt da auf der Strecke. Hubes Untergrund ist Waggon und Station zugleich. Claudia Karpfinger hat dafür Wandfliesen freigelegt, Deckenwölbung und Haltestange eingezogen. Der verblüffende Musiker Ardhi Engl bespielt diese Stange wie eine Bassseite, kann sogar dem Bodenbelag schräge Töne entlocken. Dafür wird er ebenso beschimpft wie die Souffleuse Isabel-Charlotte Kott. Mit ihr treibt der "Wilde Mann" ein so raffiniertes Spiel, dass nicht zu unterscheiden ist, welche Texthänger Hube wirklich hatte. Anfangs schien er unter dem dahinpolternden Monolog-Ungetüm zu leiden. Als er aber so richtig in Fahrt war, da wünschte man sich ein Tagesticket für diese U-Bahn. Doch da hatte schon Sarah Camp als "Wilde Frau" den Misanthrop mit einer saftigen Gegenbeschimpfung erlöst.

Bis 8. Juni, Telefon 089/ 34 58 90

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