Grinsende Sonnenbrille spielt Orgelsolo

- Eine singende Perücke trinkt Tee schlückchenweise, eine grinsende Sonnenbrille spielt ein stummes Orgelsolo. Kein Zweifel - Helge Schneider ist wieder da, beginnt gerade seine "Kampf in Weltall"-Tournee mit dem ganzen altbekannten Zubehör. Mit einer voll gestellten Bühne, einem verstaubten Sortiment zahlreicher Instrumente, mit Teekocher Bodo Oesterling und Ausdruckshüpfer Sergej Gleithmann, mit Ganzkörper-Jersey-Anzug für alle drei und natürlich nicht ohne Stromausfall.

Den lieferte das Münchner Lustspielhaus neulich bei Helge Schneiders "Warm-Up"-Abend gleich dazu, als unfreiwilliges Gastgeschenk an den großen Liebhaber des inszenierten Stromausfalls und Mikrofonwackelkontakts. Denn auch diese Nummer ist Teil des zu 60 Prozent altbewährten Helge-Programms: Di- B-chst-en-ersch-uckn-mmer, die Helge in beachtlicher Länge hinreißend zelebrieren kann. Als dann die echte Panne per Stromausfall eintritt, ist dem Profi eine Enttäuschung über den gestohlenen Effekt nicht anzumerken, und grinsend lässt er sein Publikum im Unklaren. Helge, der die Kunst des Dilettierens in Vollendung beherrscht, scheint sich insgeheim ins Fäustchen zu lachen über das Verwirrspiel mit der Realität. Was aber ist neu am "neuen" Helge-Programm? Der schiefe Titel "Kampf in Weltall" natürlich. Angelehnt an den jüngst von der Nasa durchgeführten "Deep Impact"-Beschuss des Kometen "Tempel 1" erklärt Helge alle auftretenden Merkwürdigkeiten mit: "Der Komet schlägt zurück!" Das ist eine der wenigen Anspielungen mit aktuellem Bezug und inspiriert den Musik-Komiker zur Vertonung eines wortkarg, aber bedeutungsvoll dahingehauchten "Komet, Komet, warum?", und auch über Schuldenberge und -täler macht sich der Meister des im Nonsens versteckten Doppel- und Feinsinns so seine Gedankenknäuel.Ansonsten ergeht sich Helge Schneider in satirisch-gefühligen Betroffenheits-Liedchen à la "Die Wiese hinterm Haus". Immer wieder ein Gewinn aber auch seine stets aufs Neue variierten Altnummern, an denen sich der inzwischen 50-jährige Kindskopf auszutoben beliebt.

Heute in Haar, Gelände des Bezirkskrankenhauses; am 31. Oktober in München, Circus Krone. Karten: Tel. 089/54 81 81 81.

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