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„Ich war sehr nervös heute“: Herbert Grönemeyer flachst am Dienstagabend in Berlin mit den Fotografen.

„Ja, war gut“

Grönemeyer stellt Album vor - und kommt nach München

Berlin/München - Der Sänger Herbert Grönemeyer hat in Berlin sein neues Album präsentiert – und kommt im Mai nach München.

Das Geheimnis? Vielleicht dies: Olympiastadion in München, ein Sommerabend irgendwann 2011, zwei Stunden Hits am Stück – dann reißt der Himmel auf. Es schüttet. Doch das Münchner Publikum – kein immer leichtes, wohlbemerkt – es tanzt. Durch den prasselnden Regen. Hüpft, grölt, singt. Und alles das für einen Typen mit lichtem Haar, tiefen Augenhöhlen und schmaler Nase, der merkwürdig ungelenk aber freudig wie ein Kind über den Bühnensteg dampft. Dabei immer wieder jauchzt und quietscht. Herbert. Nachname braucht’s nicht.

Er hat an diesem Sommerabend, damals auf seiner „Schiffsverkehr“-Tour, noch eine halbe Stunde weitergemacht. Bis der Regen vorbei war. Die Gäste durchnässt. Und ihre Gesichtsausdrücke beseelt.

Das war kein Zufallstreffer. Grönemeyer, dieser Fußball-Fan mit ganzer Seele, verwandelt live jedes Mal. Kein Wunder also, dass seine nächste Tour (ab Mai 2015) schon jetzt in fünf Städten ausverkauft ist, mehrere Zusatzshows – unter anderem in München – eingerichtet wurden; das alles noch ehe das neue Album überhaupt erschienen ist. Am Freitag kommt es auf den Markt. Gestern Abend präsentierte Grönemeyer es geladenen Journalisten in Berlin.

Er könnte ja nur noch Best-of-Shows machen. Die Leute würden kommen. Über diesen Vorschlag kann er nur lachen. „Ich bin wie ein Koch. Der will auch immer wieder etwas Neues machen und nicht nur Currywurst“, sagt er, gut gelaunt, im Restaurant an der Friedrichstraße. „Sonst käme es mir spätestens bei ,Männer‘ schon vor wie Realsatire.“

Er flachst, er lacht. Ihm ist die Erleichterung anzumerken. Gerade haben Journalisten aus ganz Deutschland und Österreich sein neues Album zum ersten Mal in voller Länge angehört. Und es ist richtig gut. Sein „neues Baby“.

„Ich war sehr nervös heute. Ja, so ein Album ist wie ein Kind, das man freigibt. Abende wie dieser haben eine große Bedeutung für mich.“ Und drum macht er es so, wie er es auf dem ganzen neuen Album besingt: Er lebt den Moment vollkommen aus, saugt ihn auf. „Und wenn ich heute Abend im Bett liege, dann will ich sagen: Ja, war gut.“

Das war’s. Klar, wenn einer Deutsch singt, dann zählt für die deutschen Zuhörer jedes Wort. Banale Textzeilen, die auf Englisch einfach durch die Ohrmuschel durchrutschen, müssen hier der kritischen Prüfung standhalten. „Du holst den Wind zum Trocknen rein / Wo du nicht bist, will ich nicht sein.“ Nun gut, so manche Zeile klingt gedruckt eher nach Kinderreim als nach besonderer Lyrik. Egal. Wenn Herbert solche Zeilen singt, immer etwas gepresst, immer voll Kraft, verfliegt jeder Zweifel. Dann bricht der Himmel auf, dann prasselt der Regen nieder: Überall ist Energie.

Die hören wir auf seinem neuesten Werk in jedem Stück. Während die Vorgängerplatte noch etwas sperrig daherkam, kopflastig – und erst beim dritten, vierten Hören so richtig durchdrang, ist Grönemeyer nun wieder ganz nah dran an seinem persönlichen Lieblingsalbum: dem unvergessenen „Bleibt alles anders“. Vom ersten Ton an treibt er seine Hörer voran – unweigerlich in die gute Laune. Dieser Grönemeyer ist witzig, fröhlich, schwerelos. „Leb momentan / heute mach ich mir keine Sorgen.“

Da fallen so schöne Sätze wie „Du bist so reizvoll als Idee“. Gefühlvoll. Verliebt. Seit zweieinhalb Jahren ist der 58-Jährige in einer festen Beziehung – und ja, das hört man. Während er auf „Schiffsverkehr“ noch ironisch-trotzig rief: „Ich bin total in mich verliebt“, gibt er die Liebe jetzt nach außen, schenkt er uns hier mit Nummern wie „Roter Mond“ oder „Fang mich an“ das auf Papier gebrachte ganz große Gefühl. Man sieht sie schon, die Feuerzeuge in der Olympiahalle.

Ein Album für frisch Verliebte, für Weiterdenker, für Tagträumer. Für Hoffende. Und damit es ja nicht zu pathetisch wird, löst er die Gefühlsduselei gleich auf: „Letztendlich muss man aufpassen, dass man nicht jedem Wort, das ich schreibe, so eine Bedeutung beisetzt. Manche Worte sind auch nur da, weil da grad ne Lücke da war. Da musste dann einfach was hin und irgendein Wort passte dann ganz gut von der Größe her.“ Sagt er, lakonisch wie immer. Und grinst. Große Gefühle, schräge Singart und herrlich trockener Ruhrpotthumor. Das ist das Geheimnis.

Katja Kraft

Herbert Grönemeyer

„Dauernd jetzt“

(Universal)

Der Sänger kommt am 21. und 22. Mai 2015 in die Münchner Olympiahalle. Karten unter der Telefonnummer 0 89/ 54 81 81 81

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