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Die Statue der Mater Matuta, die uns an eine Madonna mit Jesuskind erinnert, stellte die Göttin des Frühlings, Wachstums und der Geburt dar (Toskana). Muttergottheiten waren sowohl nördlich wie südlich der Alpen von großer Bedeutung.

Groß-Projekt in der Archäologischen Staatssammlung

München - Was soll die Käsereibe – obendrein frisch gekauft – in der Archäologischen Staatssammlung München? Das Groß-Projekt „Im Licht des Südens" zeigt Begegnungen antiker Kulturen zwischen Mittelmeer und Zentraleuropa.

Sie bietet mit ihrer aktuellen Ausstellung „Im Licht des Südens – Begegnungen antiker Kulturen zwischen Mittelmeer und Zentraleuropa“ doch eher keine Schau über heutige Küchenutensilien an. Aufklärung gibt ein seltsamer Klumpen in der Vitrine. In ihm versteckt sich eine Käsereibe aus längst vergangenen Tagen (6. Jh. v. Chr.). Damit ist schon im Kleinen klar, was die Präsentation im Großen schildert: Der Mensch und seine Handlungsweisen von heute unterscheiden sich von denen der Altsteinzeit bis zu den Römern – die Reste davon graben ja Archäologen aus – eigentlich recht wenig.

Sicher, ein Großkopferter unserer Tage darf sich nicht mit seinem Maserati begraben lassen, ist aber genauso stolz auf sein Statussymbol wie der Kelte diesseits oder der Italiker jenseits der Alpen. Die Herren ließen sich mit Streitwagen, Waffen, Schmuck und Geschirr beerdigen. Schließlich wollte man selbst im Jenseits ein guter Gastgeber sein. „Das Grab ist der Spiegel des Lebens“, merkt Rupert Gebhard, Chef des Hauses und Kurator der Ausstellung, an. Der Saal mit den Luxusgütern hat es ihm besonders angetan, trompeten sie doch optisch die gesellschaftliche Vormachtstellung ihrer Besitzer heraus. Ob sündteure, exotische Objekte und Materialien, ob höchst Nützliches wie Metalle: Sehr vieles war und ist unerreichbar – wenn es nicht gehandelt und transportiert wird.

Deswegen schafft die Präsentation nach einem stimmungsvollen Großfoto mit südlichem Licht auf einer Italienlandschaft sogleich Fakten: „Eisen aus Manching, Gold aus Frankreich, Stoffe aus Syrien, Bernstein aus der Ostsee, Graphit aus Böhmen, Gewürze aus Indien, Sklaven aus Germanien“ informiert die Wand hinter dem „Marktplatz“, wo es auch nach Kräutern duftet und tönt wie an solch einem Ort. Sklavenketten und Kupferbarren finden sich in den Vitrinen, die vom Handels-Gott Merkur beschirmt werden, hochwertige Werkzeugsteine aus den Alpen für den Steinzeititaliener, Muschelketten aus dem Mittelmeer für die Schwäbin vor rund 8000 Jahren. Natürlich gibt es Nahrungsmittel vom Getreide bis zum Schwammerl, aber auch Farbpigmente, Salz, Wein oder Metallgegenstände von Schwert bis Schmuckstück. Selbst extrem seltene Materialien wie Bernstein und Elfenbein schafften es vom Norden in den tiefen Süd und umgekehrt. Gerade Bernstein war ein Traum, den sich die stinkreiche Dame in dicken Klunkern umhängte oder der zur dynamischen Löwen-Statuette wurde.

Diese Schau (Medienpartner ist diese Zeitung) erzählt also von der Globalisierung und ist selbst eine fast globale Aktion: 40 italienische und 20 österreichische, schweizerische und deutsche Museen haben sich beteiligt. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Trienter Museo Castello Buonconsiglio erarbeitet. Besonders schön bei diesem Riesenunternehmen ist, dass das Team sich nicht allein auf die Exponate verlässt. Es hilft uns Heutigen mit Nachbauten auf die Sprünge. So zeigt ein römischer Lastwagen auf den ersten Blick, welch eine Schinderei es war, damit über die Berge zu kommen. In den Alpen gibt es immer noch Wege, die tiefe Rillen aufweisen – Spuren der Räder. Dass die Säumer im Gebirge findig waren, schildern Steigeisen für Mensch und Muli, sogenannte Hipposandalen (9./8. Jh. v. Chr.). Ein Holz(!)-Pflug reißt den Boden auf, und zwei Männer zeigen, wie die Altvorderen Metall geschmolzen haben. Unscheinbar und unbegreiflich sind die Originalobjekte (1270 bis 1135 v. Chr.), erst in der „Szene“ bekommen die Blasebälge und ihre Keramik-Düsen, die Schmelzpfännchen und Gussformen ihren Sinnzusammenhang.

Kam es zum ersten bescheidenen Wohlstandsschub mit der Hinwendung zu Ackerbau und Viehzucht (etwa vor 12 000 Jahren; Neolithikum) – irgendwann werden Schlüssel notwendig –, beginnt mit den neueren Technologien das Spezialistentum. Dass die antiken Handwerker schier Unglaubliches vermochten, kann der Besucher an feinstem Schmuck genauso wie an lustigen Parfümflakons (Terrakotta), Servicen oder Verzierungen bestaunen.

Mit dem Austausch der Rohstoffe wurden schließlich die Tricks der Weiterverarbeitung in Umlauf gebracht, aber auch Lebensmodelle und religiöse Haltungen. Dass sich die Herren gern als Helden sahen und inszenierten, beweist nicht nur die Statuette der Siegesgöttin Nike, sondern muskelstarke Metallpanzer zeigen obendrein, wie Mann/Hero auszusehen hat. Und dass die nördliche Oberschicht mit der südlichen gleichziehen wollte, belegen vom bayerischen Golddiadem mit mykenischen Mustern bis zum etruskischen Geschirr im Keltengrab viele Objekte.

Wenn sich der Besucher in der Schau dann den religiösen Urgründen unserer europäischen Kultur nähert, dann wird es spirituell tiefschürfend und künstlerisch eindrucksvoll. Denn die Muttergöttinnen, die in München versammelt sind und die oft an unsere Madonna mit Jesuskind erinnern, sind monumentale Kunstwerke. Egal ob als kleine, stark abstrahierte Statuette oder als große Terrakotta-Statue mit detailreicher Plastizität. Dass daneben die Entwicklung der Schrift seit den Ritzungen vor 18 000 Jahren optisch blässlich erscheint, ist klar. Dennoch: Diese kleinen „Krakeln“ beherrschen bis heute die Welt.

Simone Dattenberger

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