Große Geheimnisse kleiner Helden

- Das Geheimnis des Fahrradhändlers: Er kann nicht Fahrrad fahren. Weil er aber in seiner Jugend bei zahlreichen Balanceversuchen auf zwei Rädern die Unfallfolgen - auch am Drahtesel selbst - beseitigen musste, hat er es als Fahrradmechaniker zu höchster Kunst gebracht. Das Geheimnis dieser Geschichte von Sempé: Es sind eigentlich zwei. Da ist zum einen der schlichte, zart-ironische Text über einen ängstlichen Menschen, der trotz, ja eigentlich wegen seines Mangels das Glück findet. Patrick Süskind hat sie mit ihrem eigentümlichen Witz wunderbar ins Deutsche übertragen.

<P>Zum anderen sind da die kauzigen, den französischen Alltag persiflierende Bilder zu sehen, ohne die ein Band des Zeichners Jean-Jacques Sempé undenkbar wäre. Im Stile der Geschichten vom Kleinen Nick, die Sempé mit dem Asterix-Autor René Goscinny verfasste, haben sich hier die Schicksalsschläge des Fahrradhändlers Paul Tamburin in kleine Karikaturen verwandelt. Weil diese, ebenso wie der Text, ihren ganz eigenen Erzählsog entwickeln, sollte man Bilder und Worte hin und wieder getrennt lesen, damit keines vom anderen ablenkt. <BR><BR>Am großartigsten sind die typischen Sempé-Sujets: eine ewig sich durch fades Gelände schlängelnde Straße, ein riesiger Pulk von Tour-de-France-Fahrern, die Trikots dicht an dicht. Und mit viel Abstand ganz alleine weit hinten: der glücklos sich abstrampelnde Athlet aus des Fahrradhändlers Heimatstädtchen Saint-Cé´ron. "Das Geheimnis des Fahrradhändlers" von 1996 ist nun in einem kleinen, preiswerten Bändchen erschienen. </P><P>Jean-Jacques Sempé: "Das Geheimnis des Fahrradhändlers". Aus dem Französischen von Patrick Süskind. Diogenes Verlag, Zürich, 104 Seiten; 16,90.<BR></P>

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