Große Geschlossenheit

- Ob es an der Übersättigung durch das Münchner Konzertangebot, am zurückhaltenden Konsumentenverhalten oder einfach an der nicht vorhandenen Zeit und Geduld lag, sich drei Stunden die sechs Kantaten des Bach'schen "Weihnachtsoratoriums" anzuhören, bleibt offen. Jedenfalls war es dem Münchener Bach-Chor am vierten Advent in der Philharmonie beschieden, den ersten Teil vor nicht ganz ausverkauftem Haus zu singen und nach der einstündigen Pause für die Kantaten vier bis sechs nur noch die Hälfte des Publikums vorzufinden.

<P>Schade, denn der Chor bot gemeinsam mit dem Münchener Bach-Orchester unter Leitung von Ralf Otto eine eindrucksvolle Aufführung. Offen wird er inzwischen im Programmheft als unbestrittener Favorit für die Leitung des Chores in der Nachfolge von Karl Richter und Hanns-Martin Schneidt benannt. Mit Otto hat der Chor einen Dirigenten vor sich, der das Stück nicht durch gleichzeitiges Spiel auf dem Cembalo leitet, wie das Richter und Schneidt taten, sondern der sich ausschließlich auf Sänger und Musiker konzentriert. Präzise Auftakte und Schlussakkorde sind bei ihm daher selbstverständlich.</P><P>Er besitzt eine besondere Gabe, den Klang zu entwickeln, sehr schön beispielsweise im Choral "Brich an, o schönes Morgenlicht". Crescendi und Diminuendi kamen organisch, und durch die Ruhe, die Otto verbreitete, entstand große Geschlossenheit. Auch das Münchener Bach-Orchester verließ bei ihm den Routine-Trott mit Neigung zur Behäbigkeit und spielte dynamisch flexibel und transparent.</P><P>Allerdings fielen die Solo-Partien zwei ungleichen Paaren zu. Ausdruckstark sangen Altistin Gerhild Romberger und Bassist Michael Volle. Hingegen hätte man Tenor Markus Schäfer mehr Stimmvolumen und Gelassenheit gewünscht, und möglicherweise verlor Sopranistin Mechthild Bach aufgrund eines Patzers während der ersten Arie vor allem in den Höhen das Vertrauen in die Kraft ihrer Stimme.</P>

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