Das große Gewesensein

- "Architektur + Sport - Vom antiken Stadion zur modernen Arena". Wieder eine Münchner Ausstellung zur Fußballweltmeisterschaft. Vorgesehen war die Schau im Architekturmuseum der TU in Münchens Pinakothek der Moderne nicht, berichtet dessen Chef Winfried Nerdinger, aber die Stiftung für die PDM zahlte das schöne und spannende Projekt.

Es ist nun in einer der Hallen für Wechselausstellungen zu sehen. Wer den Saal betritt, wird von zwei Herren begrüßt, die das extreme Spannungsfeld der Sport-Existenz verkörpern.

Das ist einmal der Dikobol, Abguss des berühmten Diskuswerfers von Myron. Er steht für die Verherrlichung des Sports, der Vergöttlichung des menschlichen Körpers, des Wettstreits des Einzelnen. Und da ist zum anderen Karl Valentin. Auch ein Einzelner. Vollkommen allein sitzt er in Reihe 36 im Jahr 1936 im Berliner Olympiastadion: "Nur einen Tag zu spät und dennoch zu spät!", räsoniert er in seinem Text. Keine Massen, keine Begeisterung, kein Ruhm (schon gar nicht für die Nazis). ". . . flugs verließen wir die Stätte des großen Gewesenseins."

Der Anfang des Sports liegt in der Antike; damals wurden die Urformen der Sportarchitektur entwickelt: Stadion und Arena. In der Schau vertreten durch Modelle der Rennbahn von Byzanz und des römischen Kolosseums. Hier beginnt ebenfalls die Spur der Gewalt, die zum Sport gehört wie manches Gute auch. Nicht nur weil sich im Circus Maximus Menschen zerfleischten und andere hingeschlachtet wurden, sondern auch weil die Zuschauer fanatisierte Gruppen bildeten.

Die Exposition schildert also nicht in edler Abgehobenheit elegante Architekturvisionen und ausgefallene Technologien - das natürlich auch; sie will vielmehr diese baulichen Elemente mit den geschichtlichen und emotionalen Phänomenen verweben. Das geschieht durch knallbunte Infotafeln, die kurz, klar, obendrein bebildert Grundwissen vermitteln, und durch Grafiken, Zeichnungen, Pläne, fabelhafte Modelle, Filme, Fotos und Fotostrecken, zum Beispiel von den "neuen" Olympischen Stätten: 1896 in Athen bis heute.

Die kostbaren alten Grafiken wiederum illustrieren nicht nur Turniere unter freiem Himmel, sondern auch erste Ballspiele. Sie lösten den Bauboom für Ballhäuser aus; Münchens Sportstätte stand am Salvatorplatz. Ab dem 18. Jahrhundert wurde "richtig" gesportelt - nach Klassen getrennt. Und nach Nationen. Das konnte der Arbeitersport mit seinem Ideal der Völkerverständigung nicht verhindert. Noch heute treten angeblich Nationen gegeneinander an.

Je stärker das Bedürfnis nach Sport, je massentauglicher, prestigeträchtiger, umso deutlicher prägte sich die Bauwut aus. Aus Erdwällen wurden Tribünen, aus ihnen Hochtechnologie-Gebilde mit Kuppelspannweiten bis 200 Meter, pneumatischen Dächern oder Seilnetzdächern (z.B. Münchner Arena und Olympiastadion). Ingenieure und Architekten durften sich austoben, egal ob Lotosblüten-Dächer für Schanghai (Formel I), ob ein Wikingerschiffsbug für Hamar (Eislaufstadion). Natürlich gedenkt die Schau auch Kult-Stätten wie des schnöde geopferten alten Wembley Stadions in London. Gleichzeitig blickt man per Projektion in die Zukunft - Peking 2008 und London 2012.

Bis 3. September, Tel. 089/ 23 80 53 60; Katalog, Edition Minerva, 20 Euro.

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