Der große Holzhammer

- Die Eingangshalle unter der Museumskuppel in der Pinakothek der Moderne für die Reihe "Nachtmusik der Moderne" zu nutzen, erwies sich zum Saisonstart für das Münchener Kammerorchester unter Leitung von Christoph Poppen erneut als Glücksfall. Den Auftakt der Komponistenporträts machte eine kleine Werkschau von Wolfgang Rihm mit dem ambitionierten Anspruch, in kurzer Zeit sehr gegensätzliche Werke aus über 30 Schaffensjahren vorzustellen.

<P>Der erste Teil war drei eher introvertierten Stücken Rihms vorbehalten. Die "Nachtordnung - 7 Bruchstücke für 15 Streicher" steht als Synonym für Traumlogik und zeigt mit zarten Streicherfolgen und hochexpressiv bedrohlichen Klanggebilden die Pole zwischen süßen Träumen und Albträumen.</P><P>Das "Stille Stück für Bariton und 8 Streichinstrumente" wird seinem Titel mehr als gerecht. Sanfte Streicherflächen entführen in die filigrane Klangwelt komponiert nach dem Hermann-Lenz-Gedicht "Meeresluft", das Thomas E. Bauer zurückhaltend mit weichem Bariton sang. Größere Gestaltungsmöglichkeit hatte Bauer im "Stillen Stück 2 für lyrischen Bariton, Horn und Streicher" nach einem Paul-Fleming-Sonett. In "Male über Male für Klarinette und 5 tiefe Streicher" erwies sich die Rotunde ideal für die Hallklänge, die der im Raum wandelnde Solist Jörg Widmann mit wunderbarer klar geführter Tonlinie im eindrücklichen Dialog mit der dunklen Streicherbesetzung austauschte.</P><P>Auf lautliche Extreme setzt Rihm hingegen in "Tutuguri VI" (Kreuze), einer Musik nach einer Dichtung von Antonin Artaud für sechs Schlagzeuger, die das Ensemble für perkussive Kunst Peter Sadlo aufführte. Vom Gong bis zum großen Holzhammer und riesigen Kesselpauken kamen alle Schlaginstrumente zum Einsatz. War die Halle im ersten Teil ein klingender Dom, so wurde sie jetzt zum dröhnenden Tempel der Moderne.<BR></P>

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