Bomben-Alarm in Berliner McDonald‘s

Bomben-Alarm in Berliner McDonald‘s

Große Intensität

- Welche Gedanken gehen einer Weltklassegeigerin durch den Kopf, die 1982 als Elfjährige mit dem New York Philharmonic Orchestra unter Leitung von Zubin Mehta debütierte, die seit 22 Jahren das Publikum in Scharen anzieht und die nun in München im 1200 Plätze bietenden Herkulessaal vor nur rund 500 Musikfreunden konzertierte? Ihr dreisilbiger Vorname ist Markenzeichen, kündet von hoher Qualität und Beständigkeit: Midori.

Lag es an den Ticketpreisen, dem nicht am Mainstream orientierten Kammermusikprogramm, das sie gemeinsam mit ihrem Pianisten Robert McDonald ausgewählt hatte, oder schlicht an der Tatsache, dass Midori inzwischen etabliert ist und ihr nun das vermeintlich Sensationelle mancher geigenden Teenies fehlt, was der schnelllebige Musikbetrieb fordert?<BR><BR>Wie dem auch sei, die künstlerische Größe und Beständigkeit Midoris werden manche dieser Shootingstars jedenfalls nie entwickeln. Und Midori enttäuschte ihre Münchner Fans nicht. Dezent, bescheiden, zart, fast zerbrechlich, jung und doch damenhaft ist ihre Ausstrahlung. Ihr Spiel leidenschaftlich bis kraftvoll zupackend, melancholisch bis subtil exzentrisch. Und der Ton, den sie ihrer Stradivari entlockt, ist hingebungsvoll. Midori präsentierte denn auch mit der Auswahl der Werke eine interessante Klangvielfalt. Sehr emotional beginnend mit Debussys g-moll Sonate, die von tiefer Melancholie durchzogen ist, abgelöst von der optimistisch frischen Atmosphäre in Beethovens Frühlingssonate, der Sonate Nr. 5 in F-Dur op.24. Auf sie folgte die rhapsodisch-leidenschaftliche Violinsonate Leos Janá´ceks, und beschlossen hat Midori das offizielle Programm mit der virtuosen und sehr auf das extrovertierte Element setzenden Sonate Nr. 3 in d-moll op. 108 von Johannes Brahms.<BR><BR>Robert McDonald begleitete als kongenialer Dialogpartner alle Sonaten überaus feinsinnig mit klarer Tongebung. Midoris Spiel ist nie effekthascherisch, vielmehr scheint sie teils in sich selbst zu versinken, beispielsweise bei Debussy. Ihr Ton hat eine großartige Wärme und innere Tiefe, an Intensität blieb sie an diesem Abend, inklusiv der Zugabe "Sea Shells" von Carl Engel-Zimbalist, nichts schuldig.<BR>

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