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Prinz Eisenherz alias Markus Campana (Mi.) mit Thorsten Krohn (li.) und Lucca Züchner.

Eisenherz in der Schauburg: Große und kleine Theaterwunder

München - Peer Boysen inszenierte für die Münchner Schauburg die Eisenherz-Episode „Die Suche nach dem Gral“. Die Kritik:

„Rule! Britannia! Britannia rule the waves“ singen wir alle als Teilnehmer an einer englischen Oberhaussitzung im hölzernen Amphitheater. Vorn sehen wir die weiß-perückten Lords als schläfrige Tafelrunden-Ritter. Im karierten Maßanzug verkündet König Arthur, was er so für wichtig hält: Demokratie, Freiheit, Gleichheit, die Suche nach dem Gral. Aber ein junger Ritter, Prinz Eisenherz, glaubt nicht daran, dass der Staat es ernst meint. Er provoziert so lange, bis er des Hofes verwiesen wird und sich allein auf den Weg machen muss. Auch ist er fremd im Land, nicht integriert, fühlt sich abgelehnt.

Bis hierhin sind schon so viele Themen angerissen, die junge Leute heute beschäftigen, dass schnell klar ist: Peer Boysen weicht von der etwas holzigen Geschichte von Harold R. Fosters 27. „Eisenherz“-Band, „Die Suche nach dem Gral“, fantasievoll ab. Er nimmt die Geschichte als Steinbruch, sucht sich die besten, theaterfähigen Szenen aus, nutzt den Legendenschatz und schafft es auch beim dritten Mal, „Prinz Eisenherz“ an der Schauburg zu einem erfolgsträchtigen Theaterabend für Leute ab elf (lieber etwas älter) zu machen.

Wieder besticht seine suggestive und immer so wunderbar einleuchtende Bildfantasie. Wie immer bei ihm sieht man, wie’s gemacht wird, was Kinder, überfüttert von tele-üblicher Bilderfülle, sehr zu schätzen wissen. Sie sehen den Mann, der wie ein Vogel pfeifen kann, sehen, wie Instrumente unterm Bühnenboden hervorgezogen und gleich darauf benutzt werden, beobachten das Spiel der großen Affenpuppe und sehen gleichzeitig, wer sie „spricht“. Der Clou ist der Fang des roten Hengstes Arvak. Man sieht nur einen Lichtschacht, hört das metallene Klappern des Pferdegeschirrs, sieht den wilden Musiker Greulix Schrank an Seilen zerren, dazu des Eisenherz’ Kraftanstrengung, und jeder im Raum könnte dieses stolze Pferd malen, das doch niemand zu Gesicht bekommt. Die raffinierte Beschränkung führt bei Boysen eben nie zur Ausdünnung, ist ein Appell an die Fantasie.

Die Gralssuche, gleichgesetzt mit der Suche nach dem eigenen Ich, ist ein poetischerer Stoff als der der beiden ersten Stücke. Möglich, dass junge Leute bei der Fülle an Reflexion ganz gern mal aufs Tempo gedrückt hätten. Die vier guten Schauspieler um den sehr sicher auftretenden Markus Campana (Eisenherz) in ihren charakteristischen Kostümen (Boysen), die Puppen (Mano Giesen) und die kleinen Wunder, die aus dem Boden wachsen, genießen sie aber und nehmen vielleicht auch den (umweltbezogenen) Appell „Wir werden so nicht weiterleben können“ nachdenklich hin.

Beate Kayser

Nächste Vorstellungen

diesen Samstag sowie am 1., 2. und 4. Februar; Karten 089/ 233 371 55.

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