Große Kontraste

- "Mit Pauken und Trompeten" trat Hansjörg Albrecht im Herkulessaal mit dem Münchener Bach-Chor und dem Bayerischen Staatsorchester an, um sich als Nachfolger von Hanns-Martin Schneid und Karl Richter vorzustellen. Der junge Musiker aus Sachsen hat sich weltweit als Organist und Cembalist getummelt und geht mit viel Elan an die Arbeit. Zum Start wählte er ein Kontrastprogramm mit Poulenc und Bach.

Die drei nicht immer reibungslos harmonierenden Trompeten (Andreas Öttel, Ralf Scholtes, Frank Bloedhorn) stimmten, unterstützt von markanten Paukenschlägen (Raymund Curss), in Bachs D-Dur-Konzert einen festlichen Ton an. Schade, dass man in den Ecksätzen von den Holzbläsern fast nichts hörte, die Oboe sich nur im Solo des langsamen Satzes behaupten konnte.

Das Staatsorchester spielte versiert, aber nicht wirklich inspiriert. Poulenc macht in seinem g-moll-Konzert die Pauke zum Partner der Orgel, die Edgar Krapp auftrumpfen ließ und im permanenten Wechselspiel von wilder Bewegung und zarter Verhaltenheit farbig registrierte. Noch weltlicher unterhält der französische Komponist die Zuhörer mit seinem Gloria, das rhythmisch keck immer wieder gegen den Text arbeitet und ein wenig schräg dahertanzt.

Der Chor hatte offenbar seine Freude daran, meisterte die "Verschachtelungen" gut und die Sopranistin Andrea L. Brown erfüllte ihren Part mit klarer, höhenreiner Stimme. Sie setzte auch im abschließenden Magnificat leuchtende Akzente, fand mit dem schlanken, jugendlichen Bass von Thomas E. Bauer zu feinem, koloratursynchronen Zwiegesang.

Elisabeth Kulman (Alt) und Marcus Ullmann (Tenor) sangen solide. Obwohl es dem Chor nicht an Engagement und auch nicht an leichter Beweglichkeit mangelt, vermittelte Albrecht den Sängern nicht die für das heikle Werk nötige Sicherheit. Bachs vielstimmiger marianischer Lobgesang verlangt höchste Präzision und glasklare Linienführung der einzelnen Stimmen. Erst dann ergibt sich die nötige Tiefenschärfe, an der es auch im Orchester mangelte. Gabriele Luster

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