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Lloyd Cole im Münchner Technikum.

Konzertkritik

Die große Kunst des Lloyd Cole

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München - Lloyd Cole zählt zu den talentiertesten Songschreibern seiner Generation. Jetzt war er im Münchner Technikum zu Gast. Lesen Sie hier unsere Konzertkritik: 

"Ihr werdet aber auch nicht jünger." Das hat gesessen. Gleich bei seiner Begrüßung macht Lloyd Cole klar: Das hier ist eine Veranstaltung für Menschen mit grauen Schläfen. Ein Blick über die sträflich unterbesetzten Stuhlreihen im Technikum hinweg zeigt: Er hat recht. 

Was witzig ist: Cole, einer der talentiertesten Songwriter seiner Generation, singt heute solo an der Gitarre die Lieder aus seiner Jugend. Eine Frühwerkschau aus den 80ern mit der Folkrock-Band The Commotions. Lieder also, in denen es zugeht wie in Filmen der Nouvelle Vague: Attraktive junge Menschen verschwenden ihre Zeit in zerwühlten Betten, reden gescheites Zeug und brechen sich das Herz. Songs wie "2CV", "Undressed", "Are You Ready To Be Heartbroken?". Cole war seinerzeit ein strahlend schöner Mann. 

Und heute? Der recht kleine und leicht übergewichtige Sänger steht auf der Bühne und macht, typisch Engländer, Witze auf eigene Kosten. Ach, das Alter: Die Verkäufer in den hippen Läden schauen einen schief an; Röhrenjeans - vergiss es; vom ständigen Auf- und Absetzen der Lesebrille stehen die Haare über den Ohren ab wie Flügel: "Könnten Sie mich bitte darauf aufmerksam machen, wenn das passiert? Meine Haare sind alles, was mir geblieben ist." 

Er übertriebt es ein bisschen, und man hat den Eindruck, dass da tatsächlich jemand hadert - mit dem Alter, mit der dümpelnden Karriere. Doch der Mann ist in Form, die Melodien sind süß, die Gitarrentechnik ist souverän, der jungenhaft-sehnsüchtige Tenor klingt wie früher. "Manche meinen, dass ich nie jung war", sagt er, und da ist was dran, waren seine Texte doch auch in der Jugend zumeist bittere Rückschau auf verlorene Chancen und Lieben. 

Merkwürdig wird es erst, als Cole nach der Pause seinen Sohn William als zweiten Gitarristen auf die Bühne holt. Ein Porträt des Künstlers als mürrischer junger Mann. Der Halbstarke - die Augen schattig geschminkt, die Frisur fransig - wirkt, als wäre er lieber beim zeitgleich stattfindenden The-Cure-Konzert, müsse hier aber Sozialdienst beim Alten ableisten. Natürlich harmonieren die beiden prächtig. Doch dann stören die halb offenen Vorhänge an der Rückwand der Halle, das grelle Licht aus dem Foyer blendet den Sänger. Irgendwann verliert Cole die Nerven, stapft wütend durch die Zuschauer und sorgt selbst dafür, dass es wieder dunkel ist. Die Stimmung will sich davon nicht mehr so richtig erholen. Am Ende will man Cole nur auf die Schulter klopfen und sagen, er solle es nicht so schwer nehmen, das Alter und alles. Aber man ahnt, dass das Schwernehmen schon immer die große Kunst des Lloyd Cole war.

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