Interview

Die große Sehnsucht nach dem Off

Wird an diesem Sonntag mit dem ECHO Klassik 2008 ausgezeichnet: Sopranistin Annette Dasch.

Jung, schön, ein Star auf der Opernbühne: die Berlinerin Annette Dasch (32). In München war sie zuletzt anlässlich der Eröffnung des Cuvilliés-Theaters als Elettra in Dieter Dorns „Idomeneo“-Inszenierung zu sehen. An diesem Sonntag kommt die Sopranistin erneut nach München: zur Preisverleihung des ECHO Klassik 2008 in der Philharmonie des Gasteig (zeitversetzt im ZDF um 22 Uhr).

-Sie werden für Ihr Debüt-Album „Armida“ ausgezeichnet. Was bedeutet für Sie so ein Preis?

Das kann ich gar nicht so richtig abschätzen. Es ist mein erster Schallplattenpreis, und ich weiß nicht, ob sich für mich dadurch etwas verändert.

-Was werden Sie am Sonntag singen?

Ich wurde von den Veranstaltern zum „Dove sono“ der „Figaro“-Gräfin gedrängt. Das finde ich ziemlich mutig, denn es ist eine sehr schwere Arie.

-Sind Sie aufgeregt?

Kamera-taugliche Arien abzuliefern, natürlich regt mich das sehr auf. Denn ich bin keine besonders talentierte Gala-Sängerin. Da kann ich nichts gestalten. Ich bin immer angewiesen auf den theatralischen Kontext.

-Stichwort „Idomeneo“. Zwischen der letzten Aufführung und der kommenden (Opernfestspiele 2009) liegt ein Jahr. Wie schwer ist es, sich nach so langer Zeit wieder hineinzufinden in die Figur?

Die Aufführung kann liegen so lange sie will, sie arbeitet doch immer in einem weiter. Ich glaube, das ist wie Radfahren oder Tangotanzen: Einmal gelernt, vergisst man es nie.

-In Berlin haben Sie im Radialsystem, einem ehemaligen Pumpwerk an der Spree, den Dasch-Salon gegründet. Was ist darunter zu verstehen?

Eine schöne Mischung aus Liedern, Arien und Talkshow. Am 1. Dezember sind wir damit sogar im ZDF-Theaterkanal.

-Was hat Sie als Opernsängerin bewogen, sich in die freie Szene zu mischen?

Ich hatte eine große Sehnsucht nach dem Off. Ohne Geld, ohne Presse, einfach etwas tun, was einem Spaß macht. Ich habe ja nie damit gerechnet, dass das so viel Aufsehen machen würde. Wir sind immer ausverkauft.

-Fühlen Sie etwas Missionarisches in sich?

Na ja, das hört sich jetzt vielleicht so hochtrabend an, aber ich nehme meinen Bildungsauftrag oder meine Kulturbotschaft sehr ernst. Ich habe selber in Berlin als Schülerin so viel mitgekriegt an Kultur – für fünf Mark immer in die Schaubühne, in die Deutsche Oper –, ich habe heute das Bedürfnis, davon etwas zurückzugeben. Und zwar an die Menschen, die nicht so ohne weiteres in die Oper, aber gerne an einen anderen Ort kommen.

-Sie sind heute eine international gefragte Künstlerin. Haben Sie ein Vorbild, ein Idol?

Eigentlich nicht. Aber: Wenn ich mich mal selbst überprüfe, mit mir selbst kritisch ins Gericht gehe, dann stelle ich mir immer vor, ich würde Nikolaus Harnoncourt vorsingen oder ihm erzählen, was ich vorhabe, und frage mich, was er wohl dazu sagen würde.

Das Gespräch führte Sabine Dultz

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