Große Spannung mit Hartmann und Metzmacher

- Das war ein Programm! Auch in München nicht alltäglich, obwohl der "Hauptlieferant" ein waschechter Münchner war: Karl Amadeus Hartmann. Erst zu seinem 100. Geburtstag wird der 1963 Verstorbene, der allein acht Symphonien hinterlassen hat, heuer von den Orchestern aufs Panier gehoben. Die Münchner Philharmoniker spielten im Gasteig unter Ingo Metzmachers Leitung die beiden Symphonien Nr. 2 und Nr. 6 (in ihrer letzten Gestalt 1949 und 1953 vorgelegt) und weckten Neugierde auf mehr.

<P>Perfekt eingepasst</P><P>Metzmacher lud beide Werke mit großer innerer Spannung auf und wahrte dabei noch in den dichtesten kontrapunktischen Verästelungen äußerste Klarheit. Er entwickelte die Zweite, ein sich beschleunigendes und wieder abflauendes Adagio, aus ihrer geheimnisvoll düsteren (Streicher-)Glut heraus bis zum eruptiven Höhepunkt unaufgeregt, beinahe lakonisch.</P><P>Die Philharmoniker musizierten mit Ernst und Hingabe auch in den vorzüglichen Bläser-Soli. Klangschön durchwirkten kurze, farbige Bläserlinien den Beginn der zweisätzigen, im großen sinfonischen Gestus auftrumpfenden Sechsten, in der auf ein noch eruptiveres Adagio eine Toccata variata folgt. Vibrierend begann schon die erste Fuge, die wie die dritte von den Streichern eröffnet wird, während in der zweiten das klangschöne Holz den Ton angab. Metzmacher steuerte auch die dritte Fuge zielsicher ins effektvoll lärmende Tutti.</P><P>Perfekt eingepasst waren zwischen die beiden Hartmann-Symphonien Bartó´ks Klavierkonzert Nr. 1 von 1926 und Strawinskys Konzert für Klavier und Bläser von 1924. Peter Donohoe hämmerte mit entschiedener Treffsicherheit Bartó´ks wilde Ton- und Akkord-Repetitionen in die Tasten und wurde zum adäquaten Partner der stark geforderten Schlagzeuger. Auch in Strawinskys neoklassizistischem Opus imponierte Donohoes rhythmische Prägnanz, zuweilen witzig oder auch pompös akkompagniert von den philharmonischen Bläsern. Großer Applaus.<BR></P>

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