Große Tragödin

- Unzähligen "gefallenen Damen", zerrissenen Figuren der Dramenliteratur, lieh sie ihren kühlen, preußischen Charme. Und selbstironisch sprach sie von der Verkörperung "ihrer Knacksdamen". Sie selbst aber galt vielen als "die Königin des deutschen Theaters". Und mit diesen Worten trauert auch Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, um Marianne Hoppe, deren Tod Peymann am Freitag bekannt gab.

<P> Bereits am Mittwoch war die 93-Jährige im oberbayerischen Siegsdorf gestorben, "ruhig eingeschlafen", wie ihr Sohn berichtete. <BR><BR>Marianne Hoppe, 1911 als Tochter eines mecklenburgischen Gutsbesitzers geboren, war nicht nur Zeugin fast eines ganzen Jahrhunderts deutschen Theaters, sie schrieb diese Theatergeschichte auch mit. Als Ehefrau des Göring-Günstlings und Staatstheater-Intendanten Gustaf Gründgens unterhielt sie Kontakte zu den Nazis und verschwieg das auch nach dem Krieg nicht. Dass sie Nazi-Deutschland nicht wie der mit ihr befreundete Ödön von Horváth verlassen hat, warf sie sich später vor. <BR><BR>Nach ihrer Ausbildung am Berliner Deutschen Theater, war sie im Ensemble Max Reinhardts engagiert. Seit 1933 zählte sie zu den beliebtesten Darstellern des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt und spielte zahlreiche Titelrollen. In Gründgens` Fontane-Verfilmung "Der Schritt vom Wege" (1939) gab sie die Effi Briest, in Helmut Käutners Film "Romanze in Moll" (1942) die Hauptrolle. </P><P>Auch nach dem Krieg war sie wieder stark gefragt, an den Bühnen von Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Bochum und Wien und von den großen Regisseuren wie Lietzau, Sellner, Schweikart und Peymann. Mit Thomas Bernhard war sie nicht nur befreundet, sie prägte auch einige seiner Uraufführungen, und im "König Lear" Robert Wilsons hatte sie noch 1990 eine ihrer großen Altersrollen. <BR><BR>1986 beschrieb Friedrich Luft die Faszination, die sie auslöste, so: "Sie leuchtet herrlich. Aber ihr ist gegeben, auch tragische Verdunkelung anzuzeigen. Sie weiß, so zupackend und lebenstapfer sie immer noch erscheint, um die Not, die die Menschenseele befällt. Sie ist eine große, blonde Tragödin". Christine Diller <BR></P>

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