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Große Van-Gogh-Ausstellung in Wien

Vom Wind zerzauste Kornfelder, sich auftürmende Wolken und verästelt in den Himmel ragende Bäume. Die Dynamik der Werke des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh (1853-1890) zieht Millionen Menschen in ihren Bann.

Eine groß angelegte Ausstellung in der Wiener Albertina will nun zeigen, wie sehr der als Maler so bekannte van Gogh selbst auf der Leinwand mit seiner expressiven Linienführung auch ein Zeichner ist. "Gezeichnete Bilder" heißt die aus 89 Zeichnungen und 51 Gemälden bestehende Schau, die vom 4. September bis zum 8. Dezember zu sehen ist.

In der chronologisch geordneten Ausstellung geht der Besucher durch die verschiedenen Schaffensperioden van Goghs. Der erste Raum ist passend zur Stimmung der Bilder abgedunkelt und ganz den Zeichnungen gewidmet, denn der malerische Spätzünder van Gogh wollte in seinen jungen Jahren eigentlich Illustrator werden. "Er hat als Zeichner begonnen, mit der Malerei war er weit hinterher", sagt Ausstellungskurator Heinz Widauer. In grau-braunen Tönen, mit Feder und Bleistift sowie feiner Strichführung hält der Künstler das schwierige Leben der "einfachen" Leute auf dem Land fest. In den tristen Zeichnungen sperrt van Gogh Weber in ihre Webstühle ein, lässt Unbekannte auf einem Friedhof im Regen stehen oder knorrige, blattlose Bäume ihre Äste wie Hände in den Himmel strecken.

Eine Bäuerin in Holzschuhen hat van Gogh gleich mehrfach mit Kreide bei der Bearbeitung ihres Feldes festgehalten. Als Leihgabe aus Oslo wendet die Dame dem Betrachter auf dem Feld kniend den Rücken zu, eine Zeichnung aus Amsterdam zeigt sie aufrecht mit einer Harke und auf einem Werk aus Otterlo in den Niederlanden bückt sie sich hinab. Da die Albertina selbst nur zwei Zeichnungen van Goghs besitzt, hat sie sich in fünfjähriger Arbeit Werke im Wert von drei Milliarden Euro aus 16 Ländern zusammengeliehen und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen nach Österreich transportiert. "Es ist ein Ehrgeiz jedes Landes, Lücken in seiner Sammlungsgeschichte zu schließen", begründet Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder den Aufwand. Außerdem habe die Albertina mit ihrer umfangreichen Grafiksammlung naturgemäß ein besonderes Interesse daran, den "Zeichner" van Gogh bekanntzumachen.

Das Prinzip Zeichnung sei der Grundton des gesamten Schaffens des Künstlers. "Er malt mit dem Pinsel auf der Leinwand wie mit der Rohrfeder auf Papier", beschreibt Schröder. In Gemälden zeigt sich der Zeichner van Gogh mit seinen dynamischen Farbstrichen, in der Technik seiner Zeichnungen kommt wiederum der Maler zum Vorschein. Deshalb könne zwischen dem Maler und Zeichner auch nicht unterschieden werden. Obwohl sich einige Motive gleichen, hat van Gogh selbst seine Zeichnungen keineswegs als Vorentwurf für seine Gemälde verstanden - viele Motive hat er erst nach der Leinwand auf dem Papier wieder aufgegriffen, erklärt der Kurator.

Die Ausstellungsräume mit Bildern und Zeichnungen nach der frühen Phase des Künstlers sind deutlich heller gehalten, auch in den Werken geht regelrecht die Sonne auf. "Mit dem Umzug nach Paris und dem Einfluss der Impressionisten hat sich für van Gogh viel geändert", sagt der Kurator. Statt trister Felder mit Bäuerinnen malt er schmucke Parks mit eleganten Damen, seine berühmten bunten Blumensträuße und lichte Landschaften mit Windmühlen. Weitere bekannte Bilder wie "Fischerboote am Strand von Les-Saintes-Maries-de-la-Mer" werden die Ausstellung wahrscheinlich zum Magneten für das Publikum machen.

Das Museum erhofft sich mindestens 400 000 bis 450 000 Besucher, um die Kosten decken zu können. Am liebsten möchte es jedoch den eigenen Ausstellungsrekord von 472 000 Eintritten der Albrecht-Dürer-Ausstellung übertreffen. Um das zu erreichen, sind die Öffnungszeiten verlängert und die Eintrittsgelder von 9,50 Euro pro Person nicht erhöht worden. "Ich möchte, dass jeder van Gogh sehen kann, der das will" sagt Schröder.

www.albertina.at

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