Die große Zeit der Kleinkünstler

- Das Kostbarste, was die Theatermacher vom Münchner Metropol besitzen, ist ihre Fantasie. Und zwar in einem Ausmaß, wie man sie an keinem staatlich oder städtisch teuer ausgestatteten Haus dieser Stadt sonst findet. In dem Theater von Jochen Schölch, dem so gewitzten wie poetischen Ideenspender, hat jetzt Gil Mehmert, der andere Geheimtipp unter den Regisseuren der freien Szene, wieder einmal seine szenische Visitenkarte abgegeben.

<P>Diesmal hat sich Mehmert Woody Allen als Vorlage ausgewählt. Aus dem Film "Broadway Danny Rose" von 1984 machte der Münchner Regisseur ein unterhaltsames, turbulentes Bühnen-Ereignis. Erzählt wird die tragikomische Geschichte des Agenten Danny Rose, der immer nur die kleinen, unbedeutenden Fische managte, den einbeinigen Stepptänzer oder den stotternden Bauchredner, nie aber die wirklich potenten Künstler. Der mit ihnen hungert und darbt, ihr Liebesleben reguliert und die Prügel für sie einsteckt.</P><P>Und wenn dann einer, wie jetzt dieser Schnulzensänger Lou Canova, sich doch zum Absahnen eignen sollte, wird er ihm von den Haien der Branche weggeschnappt.<BR>Das ist nicht nur eine liebenswerte Hommage auf die fröhlichen Unglücksraben des Showgeschäfts. Im Metropoltheater ist dies auch eine leise, selbstironische Reminiszenz an die eigene Kleintheater-Existenz, der Mehmert wie auch Schölch freilich bereits entwachsen sind.</P><P>Umso passender die Ausgangsposition des Stücks: Ein paar Broadway-Komiker erzählen sich am Stammtisch die schönsten Anekdoten ihrer großen Zeit als Kleinkünstler; darunter auch jene von Danny Rose, wie er seinerzeit dem abgehalfterten Schmachtgurgler zum Comeback verhilft und bei all den Turbulenzen die Liebe der coolen Tina Vitale gewinnt.</P><P>Eine Showbühne und ein kreisrundes Laufband, das ist alles, was das Bühnenbild von Jan Steigert bietet und das dennoch der Fantasie und der Perfektion der Darsteller eine inspirierende Plattform ist. Die glänzenden Schauspieler Jürgen Tonkel (Danny), Eckhard Preuß (Lou), Merit Ostermann (Tina), dazu Stefan Noelle, Alex Haas und Christoph Maria Herbst als Musiker und Akteure in verschiedenen Rollen; außerdem ein Kontrabass, der auch mal eine Dusche sein kann; eine Klarinette und ein Schlagzeug, beide vielseitig verwendbar.</P><P>Nichts ist, was es scheint, alles kann hier alles sein. Ein Ohrring genügt, um sich in Sekundenschnelle in eine Frau zu verwandeln. Zehn Fäuste für eine Sonnenbrille _ und schon lugt die Mafia bedrohlich durch die Gardine. Dieser Theaterabend voller Humor und Imagination macht einfach Spaß. Dass man bei all dem Woody Allen vergisst, ist klar. Und ebenso, dass es fürs Metropol und seinen Regisseur gewiss bessere Stücke gäbe als dieses.</P><P>Bis 27. September; Tel.: 089/ 32 19 55 33<BR>Gefangen: Tina Vitale (Merit Ostermann) und Danny Rose (Jürgen Tonkel).Foto: Hilda Lobinger<BR></P>

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