Die großen Emotionen

- Irgendwann streben auch die lyrischen Damen zu "Höherem", zur Figaro-Gräfin, zur Meistersinger-Eva oder Richtung Micaela (Carmen), Marguerite (Faust) und Juliette. Angela Maria Blasi, die sich in der vergangenen Saison gerade dem Romeo genähert hatte, riskierte nun die nächste Herausforderung: Puccinis "Madama Butterfly", erstmals an der Bayerischen Staatsoper München.

<P>Nun gut, die Uralt-Inszenierung von Wolf Busse mit ihren trippelnden, fächelnden Geishas und den ungelenk bis konventionell agierenden Protagonisten ist wirklich ein "Weggucker". Umso aufmerksamer konnte man hinhören und wurde vor allem im zweiten Akt überrascht.<BR><BR>Hatte die Blasi zunächst noch ganz auf Sicherheit und Technik gebaut, so verlor sie sich nun an die großen Emotionen der kleinen Japanerin und sang sich frei - "Un bel di vedremo" (Eines Tages seh'n wir). Aus zartem Piano wuchs die Stimme in die großen Puccini-Aufschwünge, aus erstaunlich fundierter Tiefe in die gefährlichen, weil dramatischen Höhen - absolute Grenzregionen. Und weil ihre Cio Cio San mit Inbrunst klagte, hoffte und litt, rührte sie das Publikum und wurde heftig gefeiert.<BR><BR>Obwohl der junge Marco Armiliato am Pult des Staatsorchesters anfangs kräftig aufdrehte, das Zwischenspiel vor dem dritten Akt leidenschaftlich auflud und das Terzett hoch aufschäumen ließ, entpuppte er sich gleichzeitig als sanfter Begleiter der Sänger. Roberto Aronica stellte einen arg steifen Pinkerton an die Rampe, stattete ihn aber zum Trost mit bis in die Höhen kraftvoll kernigem, gut fokussiertem Tenor aus.<BR><BR>Als Sharpless stimmte Paolo Gavanelli gewohnt gefühlvolle Töne an, und Daniela Sindram ließ die Dienerin Suzuki mit angenehmem Mezzo mahnen und trösten.<BR></P>

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