Mit großer Erleichterung

- Etwas stimmte mit Montserrat Caballe an diesem Abend in der Münchner Philharmonie nicht. Das Gehen bereitet der mittlerweile 71-jährigen Primadonna schon länger Probleme. Noch immer frisch und vital wirkt ihr Gesicht, doch ihr sonst so fröhlich übersprudelndes Temperament, ihr Humor und ihre Selbstironie schienen gedämpft. Gemeinsam mit dem Radio Symphonieorchester Pilsen unter Leitung ihres Landsmannes José Collado präsentierte sie Arien aus der Hochblüte des Belcanto, weihnachtliche Lieder und spanische Zarzuelas.

<P class=MsoNormal>Auffallend bei ihrer Arienauswahl war allerdings schon, dass sie sich im weniger gängigen Repertoire umgesehen und sich bei allen drei Darbietungen des ersten Teils - "Sola son io" aus Donizettis "Sancia di Castiglia", "Ils mentaient!" aus "Ariane" und "L'Extase de la Vierge: Rêve infini, divine extase" aus "La Vierge", beide von Jules Massenet - für Arien mit extrem langen Einleitungen entschieden hatte. Caballé verfügt nach wie vor über eine phänomenale Technik und Gestaltungskraft. Doch die kleinen stimmlichen Einbrüche haben zugenommen, vor allem in Pianissimo-Passagen kann sie sich nicht mehr ganz auf ihre Höhe verlassen. Neu schien ein merkwürdiger Zischlaut und eine etwas näselnde Höhe. Bei ihrer Weihnachtsliederauswahl darunter "Süßer die Glocken nie klingen" blieb sie zurückhaltend, im Text teils unverständlich. Am natürlichsten schienen ihr die Lieder ihrer spanischen Heimat über die Lippen zu kommen. </P><P class=MsoNormal>Dann, nach dem frenetischen, Zugaben fordernden Applaus, lüftete Montserrat Caballé ihr Geheimnis. Letzten Sonntag brach ihr beim Konzert im Wiener Konzerthaus eine Zahnbrücke. Nachvollziehbar ihre Gehemmtheit. Es war also 'raus, damit kehrten sofort ihre Spontaneität und Lockerheit wieder, und sie war nahe dran, das Provisorium dem Publikum zu zeigen. "Wir machen so lange weiter, bis sie fallen runter." Runtergefallen sind ihr die Zähne denn Gott sei Dank doch nicht, aber sie beließ es bei zwei Zugaben und sang dabei lyrisch schön und befreit Laurettas berühmte Arie "O mio babbino caro" aus Puccinis "Gianni Schicchi".</P>

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