Baby unterwegs! Herzogin Kate mit Wehen im Krankenhaus

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Ein Großer, kein Heiliger

- Auf der Albumhülle von James Browns Großwerk "Hell" aus dem Jahr 1974 findet sich ein grandios überkandidelter Comic. Im Bildhindergrund winden sich diverse schauerliche Teufel. Sie zischen einander zu: "He's too strong, we can't stop him!" "That's because he's the Godfather." Vorne hat der Zeichner James Brown postiert ­ mit Afro-Frisur, in Messias-Pose, dabei unendlich cool.

Anders als auf dem Bild hat Brown im wirklichen Leben nicht immer die Oberhand über seine Dämonen gewonnen. Dass er aber gerade in der Heiligen Nacht von dieser irdischen Bühne abtreten würde, das hat der "Godfather", der "Pate" des Soul sicher passend gefunden.

Eigentlich war diese Karriere völlig unmöglich. Eine Jugend im Hurenhaus, im Knast bereits als Halbwüchsiger. Der Weg des James Brown aus South Carolina, um 1950 schien er vorgezeichnet zu sein: eine Rutschbahn in die Kriminalität. Es kam anders. Als James Brown am Morgen des 25. Dezember in Atlanta, Georgia, mit 73 Jahren an einer Lungenentzündung starb, galt er als einer der wichtigsten, meistkopierten Musiker des 20. Jahrhunderts.

Brown hatte im Laufe seiner Karriere eine endlose Reihe von Hits: "Please, Please, Please", "Try Me", "Sex Machine" oder "Cold Sweat". Befeuert wurden diese extrem tanzbaren Nummern von einer atemlosen, hohen, rauen Stimme ­ den markerschütternden Schrei zu Beginn von "I got you (I feel good)" kennt jeder.

Was diese Hits unnachgiebig antrieb wie eine Maschine, war ein akustisches Prinzip, das sich abwandte von gängigen Schemata wie Melodie, Text, Strophe und Refrain: Brown stellte im Laufe der Zeit immer stärker den Rhythmus in den Vordergrund. So beschrieb es der Kritiker Robert Palmer: "Brown und seine Musiker begannen, jedes Instrument und jede Stimme wie eine Trommel klingen zu lassen."

Dieser körperlichste aller Popmusikstile, der Funk, fand seine Entsprechung in Browns Bühnenshow: Seine stakkatoartig zuckenden Beine, seine schwindelerregenden Pirouetten vermittelten den Eindruck, als sei er an ein Starkstromkabel angeschlossen. Das Publikum tobte, als er im New Yorker Apollo Theater auf der Bühne erschöpft zusammenbrach, hinausgeführt wurde, sich losriß, weitersang und wieder in die Knie ging.

Auf diese Weise beeinflusste James Brown Legionen von Künstlern: "Disco ist James Brown, HipHop ist James Brown, Rap ist James Brown", sagte der wenig bescheidene Neuerer. "Michael Jackson war James Brown, die Red Hot Chili Peppers sind James Brown", möchte man hinzufügen. Seine Stücke finden sich in Hunderten von Hip\-hop-Samples. Er sah es mit Genugtuung: "Meiner Meinung nach gab es bisher nur drei B.s und nun vier", sagte er. "Beethoven, Bach, Brahms und jetzt Brown."

Von nichts kommt nichts, lautete die Maxime: Er gab sich als Proletarier des Pop, ließ sich vor jedem Auftritt als "Hardest Working Man in Show Business" ankündigen. Das bekamen auch seine Musiker zu spüren: Bei den Aufnahmen zum Stück "Night Train" musste der Schlagzeuger kurz aufs Klo ­ als er zurückkam, war er seinen Job los. Der "Godfather" war ungeduldig geworden und hatte den Part kurzerhand selbst eingespielt.

So unmöglich, wie sie begann, so sehr blieb Browns Karriere auch später von Widersprüchen geprägt. In den 60ern ließ er seine Stimme für die schwarze Gleichberechtigung erklingen, später machte er für Ronald Reagan Wahlkampf. Steuerschulden in mehrfacher Millionenhöhe zwangen ihn zum Verkauf eines Großteils seines umfangreichen Besitzes. Es folgten Gefängnisaufenthalte wegen Drogenbesitzes und Körperverletzung, obwohl er auf seinen Platten gegen Drogen und Gewalt wetterte. Er beschwor die Liebe und schlug seine Frauen (siehe Kasten). Zuletzt verbrachte er Anfang der 90er-Jahre zwei Jahre im Gefängnis.

So blieben die Dämonen immer in James Browns Nähe ­ und am Ende dieses widersprüchlichen Lebens bleibt das Fazit: In der Heiligen Nacht ging sicher kein Heiliger, aber ein Großer.

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