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Großes Finale: Maazel verabschiedet sich von New York mit Europa-Tour

Berlin/New York - Kein Abgang auf leisen Sohlen, eher ein lautes Adieu: Lorin Maazel leitet in diesen Tagen auf einer Europa- Tournee mit den New York Philharmonic seinen Abschied an der Spitze des ältesten Symphonieorchesters der USA ein.

"Sieben Jahre als Chef in New York sind genug, dass wusste schon Arturo Toscanini", sagte der Stardirigent der Deutschen Presse-Agentur dpa. Neun Städte in zwei Wochen, sechs Stationen davon in Deutschland ­ nach der Goodbye- Tour vom 28. August bis 12. September tritt Maazel zur letzten Spielzeit im "Big Apple" an.

Mit dem "Grand Finale", wie das Orchester für die letzte Saison des Franco-Amerikaners trommelt, geht eine Ära in der 166-jährigen Geschichte der "New Yorker" zu Ende. Im kommenden Jahr übernimmt der 41-jährige Alan Gilbert den Spitzenjob bei den angeblich schwierigsten Musikern der USA ­ für Fachleute eine Revolution.

Denn nicht mehr ein ehrwürdiger Maestro aus dem alten Europa wie zuvor etwa Kurt Masur, Pierre Boulez oder George Szell wird künftig in Manhattan den Takt angeben. Erstmals nach dem Orchestergründer Ureli Corelli Hill übernimmt ein Einheimischer die Leitung des weltberühmten Stadtensembles, das bisher mit Leonard Bernstein nur einmal von einem gebürtigen Amerikaner geleitet wurde. Gilbert kennt das Orchester seit Kindesalter. Seine Mutter spielt hier Violine, sein Vater war bis vor einigen Jahren Philharmoniker-Geiger. Auch für Maazel beginnt eine neue Zeit. "Ich möchte grundsätzlich keinen Job mehr als Chefdirigent haben", erzählte der 78-Jährige, der in seiner Laufbahn mehr als 5000 Konzerte dirigiert hat. "Nicht dass ich faul geworden wäre, aber es gibt bestimmte Verpflichtungen, die ich nicht mehr auf mich nehmen möchte". Neben London, Paris und Luzern wird Maazel auf der Tour in Frankfurt, Hamburg, Essen, Stuttgart, Baden-Baden und Bonn dirigieren. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Gershwin, Bartók und Bruckner.

Es war offenbar Zeit für eine Erneuerung. Gilberts Ernennung werde wieder Bewegung "in dieses große aber künstlerisch etwas träge gewordene Orchester bringen", schrieb die "New York Times", die Gilberts Sympathien für neue Musik lobte. Auch Zarin Mehta, der leitende Orchestermanager und Bruder des Stardirigenten Zubin Mehta, ist zuversichtlich. "Wir sind vorbereitet für das 21. Jahrhundert". Lange Zeit galten die Philharmoniker als Dinosaurier unter den großen US-Orchestern, den sogenannten "Big Five". Mehta und der von den privaten Stiftern gebildete Aufsichtsrat haben eine Verjüngungskur verordnet.

Zum Beginn der vergangenen Spielzeit stieg das eidgenössische Bankhaus Credit Suisse als "globaler Hauptsponsor" ein. Mit der Kooperation soll das Orchester noch stärker als weltweite Kulturmarke in Stellung gebracht werden. Mehta sucht nach neuen Erlösquellen. Mit einem Internet-Podcast, Liveübertragungen im Radio, einem eigenen Angebot auf iTunes und sogar Handy-Klingeltönen will er ein jüngeres Publikum gewinnen.

Durch die drohende Rezession und die Immobilienkrise in den USA wird es immer schwieriger Geldgeber zu finden. Anders als europäische Ensembles bekommen amerikanische Klangkörper kaum Geld vom Staat und sind auf die Gunst von Privatleuten und Firmen angewiesen. Rund 14 500 Spender hat das Orchester, von denen nur etwa tausend mehr als 1500 Dollar im Jahr beisteuern. Der Etat lieg bei rund 64 Millionen US-Dollar (43 Mio. Euro).

Jedes Jahr spielt das Orchester 180 Konzerte. Zu ihnen gehören auch kostenlose Auftritte in allen New Yorker Stadtteilen sowie eine alljährlich Sommerresidenz im noblen Skiort Vail im Bundesstaat Colorado. Auf die Tourneen ist das Orchester angewiesen, selbst wenn durch den fallenden Dollarkurs die Europa-Gastspiele nicht mehr so lukrativ sind. Auch kulturpolitisch wollen die "New Yorker" wieder die erste Geige spielen. Schon in den 70er Jahren hatte sich das Orchester als diplomatischer Türöffner betätigt. Im Februar sorgte es weltweit für Schlagzeilen mit einem Konzert in Nordkorea. Die mit der Regierung in Washington abgesprochene Kulturoffensive verfehlte ihre Wirkung nicht. Wenige Wochen nachdem in Pjöngjang Dvoraks "Sinfonie aus der Neuen Welt" und Bernsteins "Candide" verklungen waren, kündigte das Regime ein Einlenken im Atomstreit an.

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