Großes Format

- Nun hat er also sogar die erneuerungsfreudige Ära Jonas unbeschadet überlebt. Und auch unter der neuen Intendanz wird uns Otto Schenks Inszenierung des "Rosenkavaliers" weiter erhalten bleiben. Warum auch nicht, möchte man fragen. Denn so lange die verschnörkelten Kulissen noch nicht endgültig auseinanderfallen, dürfte die Produktion mit all ihrem naiven Charme wohl auch weiter ein Publikumsmagnet bleiben.

Selbst wenn sich das Geschehen auf der Bühne inzwischen besonders im letzten Akt gefährlich nah an der Grenze zur Selbst-Parodie bewegt. Das Publikum sieht solche Kleinigkeiten gelassen, gibt es im bewährten Ambiente doch stets andere Sänger zu erleben, die den Pappwänden Leben einhauchen.

Bei der jüngsten Wiederaufnahme etwa der Baron Ochs von Kristinn Sigmundsson, der trotz Ehrfurcht gebietender, bärenhafter Statur nie in derbe Schmierenkomödie abdriftete, sondern stets stimmliche Noblesse bewahrte. Wienerisches Idiom suchte man bei ihm zwar vergebens, doch wusste der Isländer dafür mit sonorem Bassfundament mehr als zu entschädigen. Auch Adrianne Pieczonka folgte nur wenig dem gängigen Bild der melancholischen Marschallin. Sie verkörperte vielmehr eine Frau, die das Leben in vollen Zügen genießt und für die Octavian sicher nicht der letzte außereheliche Bettgenosse gewesen sein dürfte.

Mehr Tiefgang zeigte Marlis Petersen, die als Sophie nicht nur in höchsten Soprantönen träumen durfte, sondern aus der oft vernachlässigten Partie einen glaubwürdigen Charakter zu formen verstand. Ebenfalls einen großen persönlichen Erfolg konnte Ensemblemitglied Daniela Sindram in der Titelrolle verbuchen, die mit einer bemerkenswerten Leistung unterstrich, dass die Oper zu Recht ihren Namen trägt. Wobei sie auch von Dirigent Peter Schneider bestens unterstützt wurde, der nach etwas ruppiger Liebesnacht bald den rechten Konversationston fand und seine Sänger souverän durch den Abend führte.

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