Großes Spiel vor dem Finale

- Mit König Fußball wollten sich die Veranstalter von "Klassik am Odeonsplatz" nun doch nicht anlegen - die beiden Konzerte wurden von langer Hand so gelegt, dass sie nicht mit dem EM-Finale konkurrieren mussten. Echte Musikfreunde hätten sich freilich auch davon nicht beeindrucken lassen, schließlich konnte man am zweiten Tag eines der letzten Konzerte der Münchner Philharmoniker unter dem Dirigat von James Levine erleben.

<P>Nach krankheitsbedingter Pause geriet seine Rückmeldung fulminant. Es musste schon Mahlers Erste, der "Titan", sein, eine Symphonie, die wie kaum ein Werk zur Atmosphäre der Feldherrnhalle passt. Besonders für den ersten Satz mit all seinen Natur-Motiven war die Open-Air-Situation wie geschaffen. </P><P>Die Bühne in warmes, oranges Licht getaucht, Münchner Kirchenglocken läuteten - der Meister lächelte wonnig von der Großleinwand. Bei der heilig-ernsten Zuspitzung im dritten Satz allerdings war es dann doch fast etwas zu viel der Kongruenz von Werk und Aufführungsort. Das Licht lila, dann grünlich, die Feldherrn Tilly und Wrede streng, die Marmorlöwen bedrohlich - kurz glaubte man zu erkennen, dass auf der Fahne des ruhmreichen Soldaten im Hintergrund das Wörtchen "Kitsch" geschrieben stünde.<BR><BR>Nach der Pause, bei Mendelssohn-Bartholdys "Sommernachtstraum", stimmte wieder alles - besonders schön das romantische "Notturno" und die Leistung der Sopranistin Ji Young Jeon als Oberon. Auch der zuvor etwas eindimensionale Klang schien nun voller zu sein. Ein letzter Schlenker mit dem Stab, dann ließ sich James Levine von den tausenden Zuschauern feiern, trat ab, kam wieder, klopfte sich ans Herz - der scheidende Trainer der Münchner Philharmoniker hatte kurz vor dem Finale ein großes Spiel gemacht.</P>

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