Großes Stimm-Drama

- Das herrliche Wetter wurde dem ersten der vier Konzerte des ARD-Kammermusikwettbewerbs im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg zum Hindernis: Schweißüberströmt arbeitete sich der Franzose Florent Pujuila, einer der jungen Preisträger, durch zwei Klarinettensonaten von Hindemith und Brahms. An seiner Körpersprache konnte man die Mühe ablesen, die ihm der durchaus einfühlsame Vortrag bereitete.

<P>Die amerikanische Sopranistin Andrea Lauren Brown brachte dann ein wenig Schwung in die schwüle Atmosphäre: Bei ihrer Interpretation der "Sequenza III für Stimme solo" des 2003 verstorbenen Komponisten Luciano Berio handelte es sich zweifellos um den musikalischen Höhepunkt des Konzerts. Mit einem virtuosen Stimm-Drama, schroffen Übergängen von Lachen in Flüstern, Husten, Mit-der-Zunge-schnalzen, mit plötzlichen Wortsalven und Gesangsfetzen zog Brown das Publikum in ihren Bann. Stellenweise hätte man sich gewünscht, dass sie, besonders was ihre Gestik betrifft, noch ein wenig mehr aus sich heraus gegangen wäre. An der Qualität ihres Gesangs war jedoch nichts auszusetzen. Im Gegenteil.</P><P>Nachfolgerin Zoryana Kushpler konnte da nämlich nicht mithalten. Schumanns Liederzyklus "Frauenliebe und -leben" klang ab und zu heiser, hauchig, außerdem wollte der Text von Adelbert von Chamisso nicht richtig ankommen _ das weibliche Liebesglück beziehungsweise -unglück fiel der schlechten Deklamation zum Opfer.</P><P>Den durchaus gelungenen Abschluss des Abends bildete anschließend eine Auswahl schottischer Volkslieder in einer Bearbeitung von Beethoven: Andrea Lauren Brown und Günter Papendell (Bariton), begleitet von einem Klaviertrio, bestachen durch ihre lebendige Vortragsweise. Man konnte erkennen, dass sie Spaß an dieser Mischung aus Kunstvollem und Einfachem hatten.</P>

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