Großgemenge der Körper

- Felix Ruckert ist da - und die Muffathallen-Gänger lassen alle Psycho-Schamhüllen fallen. Ruckert, der mit seinen interaktiven Inszenierungen hierorts auch vordem schon Tänzer und Publikum zu Streichel-Duetten verführt hat, bat jetzt zum Finale seiner Münchner "Choreographen-Residenz" in den "Love Zoo", ein Mitmach-Stück der hautnahen, dennoch erotisch keuschen Art in der Grauzone zwischen Selbsterfahrungstrip und Tanztherapie.

Gleich nach Einlass, guck an, strippten erstaunlich viele Winterschuhe und -Klamotten runter und strebten sichtbar tanzfiebrig auf einen der gekennzeichneten Experimentier-Stühle im Zentrum der Bühne zu. Wer einen freien ergattert hatte, wurde sogleich von seinem Tänzerpartner berührt, angeschubst, zu Boden gezerrt, wieder hochgehievt und durch die professionellen Bewegungsimpulse zu ebensolchen Aktionen angespornt.

Schnell ist es ein gegenseitiges Ziehen, Drücken, Fliehen, Fesseln und Übereinanderklettern. Bei weiterhin einlullenden Minimalklängen lenken die 14 Tänzer (darunter auch Münchner) ihre wechselnden "Schützlinge" in den Raum.

Paare vergrößern sich zu Trios und Quartetten. Und im dynamisch fließenden Großgemenge dieser Körper, die sich verhaken, verknäulen, sich auf erhobenen Armen tragen und herumschleifen, passiert tatsächlich, was Ruckert beabsichtigt: eine Verwischung des Laien-Profi-Unterschieds. Nur in kurzen Bewegungsstopps erkennt das Auge an seiner Art zu stehen sofort den untrainierten Laien, der, oft geschlossenen Auges, ganz in die Illusion seines Tanzens versunken ist.

Unübersehbar beim weltvergessenen Lächeln der Tanzseligen: Ruckert, der Rattenfänger, hat des Menschen Lust nach Bewegung, nach Selbstdarstellung und Zuwendung zum Angelpunkt seiner Choreographie gemacht. Und diese Laien-Lust, diesen Ur-Antrieb auch sehr geschickt in eine gewisse Struktur gebracht, vor allem durch eine Atmosphäre des Vertrauens. Der künstlerische oder auch nur unterhaltende Wert bleibt fraglich. Tipp: Der aktiv mitgemachte "Liebes-Zoo" ist sicher der bessere.

Noch heute, 20.30 Uhr, Tel. 089/ 72 42 515.

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