Groteske Show des Scheiterns

- Mit seiner rigorosen Umdeutung von Beethovens großer Rettungs- und Befreiungsoper "Fidelio" in eine groteske Show des Scheiterns und des totalen Utopie-Verlusts hat Regisseur Hans Neuenfels an der Hamburgischen Staatsoper das Publikum heftig gegen sich aufgebracht. Während Hamburgs GMD Ingo Metzmacher und die Sänger mit kräftigem Beifall bedacht wurden, ging auf den Regisseur ein regelrechtes Buh-Geschmetter nieder.

<P>Für Neuenfels ist Beethovens Hohelied der Gattenliebe nur noch eine Chimäre, eine bittere Erinnerung. Der aus der Hungerhaft befreite Polit-Gefangene Florestan wird am Ende im Rollstuhl auf die Bühne gekarrt, ein für ewig Zerbrochener. Zum Jubel des Schlussgesangs bläst eine geklonte Kinderschar Seifenblasen in die Luft. Keine Hoffnung mehr, nirgends. Florestan (Hubert Delamboye) und Leonore (Susan Anthony) servieren ihr Duett "O namenlose Freude" als Konzert-Hit. </P><P>Der Überzeugungskraft der Musik und ihrer grandiosen Freiheitsbotschaft traut der Regisseur nur halb. Alles muss szenisch noch einmal untermalt, unterstrichen, oft enervierend verdoppelt werden. Glänzenden Effekt machen allerdings die so oft geschmähten "Fidelio"-Dialoge, die Neuenfels selbst geschickt bearbeitet hat und ganz aus dem Off sprechen lässt.<BR><BR>Ingo Metzmacher setzte mit dem Philharmonischen Staatsorchester ebenso eindringlich auf Empfindsamkeit wie auf drastische Entladung der dramatischen Energien - bis hin zu ironisch schneidender Schärfe des Klangs.Barbara Sell<BR></P>

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