In Grubers Hand

- Kultur darf in Deutschland nicht elitär werden! Auf diesem Wege aber befindet sich der Bayerische Rundfunk mit seinem Vorhaben, sein Rundfunkorchester abzuschaffen. Mit einer solchen Welle des Protestes gegen die Auflösung hatte BR-Intendant Thomas Gruber offenbar nicht gerechnet. Und die Flut an Briefen ebbt nicht ab. In einem offenen Schreiben, unterzeichnet von Rektor Siegfried Mauser, Kanzler Alexander Krause, den Prorektoren Daphne Evangelatos und Edgar Krapp sowie von allen Professoren, wehrt sich nun auch die Münchner Musikhochschule gegen den Kahlschlag.

<P>"Als öffentlich-rechtlicher Sender hat der Bayerische Rundfunk einen immer wieder beschworenen Kulturauftrag. Diesen nicht zu vernachlässigen, ist . . . im Interesse des Landes und seiner Bürger. Es geht um die Fortführung unserer Musiktradition sowie die beispielhafte Förderung unserer lebendigen Musikkultur. Die Entscheidung, das Münchner Rundfunkorchester aufzulösen, steht hierzu in krassem Widerspruch!</P><P>Das äußerst vielseitige musikalische Angebot dieses Klangkörpers und sein höchstes Niveau stehen außer Frage. Gerade dieses Orchester hat auch für junge Menschen und Familien Angebote offeriert, die kreatives Denken und fantasievolles Handeln fördern . . . Kultur darf in Deutschland nicht elitär werden! Es muss andere Wege als die Schließung des Münchner Rundfunkorchesters geben, um die unverhofft niedriger ausgefallene Rundfunkgebührenerhöhung abzufangen! Diese Einsparmöglichkeiten zu finden und sie im Sinne des BR umzusetzen, ist Aufgabe der Intendanz.Die Professoren der Hochschule für Musik und Theater München drängen Sie, Ihrer Verantwortung nachzukommen."<BR><BR>Nur noch für eine Elite?</P><P>In einem offenen Brief beschwört auch die Bayerische Akademie der Schönen Künste die Intendanz zur Zurücknahme ihrer Entscheidung. Akademiepräsident Dieter Borchmeyer: Die Auflösung des Rundfunkorchester "kann die Akademie, laut Statuten der Staatsregierung die ,oberste Pflegestelle der Kunst in Bayern, nicht widerspruchslos hinnehmen . . .</P><P>Das Münchner Rundfunkorchester hat sich nicht nur zur Spitze aufgeschwungen, sondern im Vergleich mit seinem Schwesterorchester in schöner Aufgabenteilung erheblich zur musikalischen Breitenbildung beigetragen, die immer größere gesellschaftliche Bedeutung gewinnt. So leistet es in Kooperation mit dem Bayerischen Kultusministerium seit drei Jahren auf höchst effiziente Weise musikalische Jugendarbeit. Forschungen der jüngsten Zeit haben gezeigt, wie intelligenz- und fantasiefördernd die musikalische Bildung der Jugend ist. Wer soll diese Arbeit fortsetzen, wer vermittelt der breiten Bevölkerung klassische und populäre Musik auf hohem Niveau? . . . </P><P>Es kann nicht angehen, dass Kultur, dass anspruchsvolle Musik nur noch wie einst für eine schmale Schicht da sein soll. Sehr geehrter Herr Intendant, wir beschwören Sie, der kulturellen Verarmung Bayerns und dem Abbau musikalischer Demokratiebildung - eine solche hat das nun in seiner Existenz bedrohte Orchester vorbildlich geleistet - energisch einen Riegel vorzuschieben. Sie können es! Es liegt in Ihrer Hand, ein wichtiges kulturpolitisches Zeichen zu setzen, durch das Sie sich in die Kulturgeschichte Bayerns einschreiben werden: Retten Sie das von uns allen geliebte Münchner Rundfunkorchester!" </P>

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