Gründliche Geschichtsstunde

- "I have a dream" - mit dieser flammenden Rede gegen Ungerechtigkeit und Rassentrennung im August 1963 machte Martin Luther King den 250 000 in Washington versammelten Demonstranten Mut - sprach der ganzen Welt ins Gewissen. Das Leben des charismatischen Baptistenpredigers und Bürgerrechtlers ist nun als "Schauspiel mit Musik" (Buch: Gerold Theobalt) in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof zu besichtigen. Stürmischer Applaus für die exzellenten Darsteller.

Plausibel, dass die sich an diese Monumental-Vita herangetraut haben: Fast alle sind irgendwann in Deutschland gelandete oder hier in Mischehen geborene schwarze Deutsch-Amerikaner. Da hat man eine gewisse Distanz, heißt: weniger Bammel vor diesem Stück US-History und kann doch noch authentisch den gewaltlos-kämpferischen Schwarzen spielen.<BR><BR>Ron Williams' Martin Luther King: kein hehres Sockel-Denkmal. Hier spricht, singt, agiert ein unnachgiebig Hoffender auf seinem Weg, die Menschheit zum Guten zu überzeugen. Auch alle anderen sind Personen zum Anfassen: Nisma Cherrat als Ehefrau Coretta, Theodor Michael - ein ursympathischer Kamerun-Berliner - als Daddy und Felicia Weathers als Mama King, deren opernhafte Diktion und Gesang ein bisschen fremdkörpert in dieser vor Wellblechwänden nüchtern-dokumentarisch sich abwickelnden M.-L-K.-Biografie.<BR><BR>Regisseur Helmuth Fuschl, offensichtlich doch vor so viel Geschichtsträchtigkeit erstarrend, lässt die Darsteller abwechselnd und immer frontal zum Publikum alle Lebensstationen vortragen. Szenisch gearbeitet wurde nur höchst sparsam. Und die Songs/Musiken, vorwiegend von Ron Williams selbst, bleiben eingestreute isolierte Nummern. Schön: sein Duett mit seiner begabten Tochter Ariane M. Roth, die voll sonore Stimme von Calvin E. Burke, das chorische "We are marching"-Kampflied. Mehr davon wäre - noch schöner gewesen. <BR><BR>Dafür haben wir immerhin M. L. King komplett, vom Auftakt seines Widerstands mit dem Montgomery-Bus-Boykott bis zu den überlebten Attentaten und seiner Ermordung 1968. Eine sehr gründliche Geschichtsstunde.<BR>

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