Gruseliges Gespinst

- In den Deckenmosaiken der Säulenhalle mäandert noch das Hakenkreuz - seinen unseligen Genius loci wird das Münchner Haus der Kunst wohl nie ganz loswerden. Umso wichtiger, den Ungeist immer wieder neu zu bannen. Dass die Kammeroper "Der Untergang des Hauses Usher" (Edgar Allan Poe), eine Koproduktion des Jugend- und Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München und des Bayerischen Staatsschauspiels, jetzt im Theater im Haus der Kunst Premiere hatte, ist ein Akt von besonderer, schöner Symbolkraft.

Ganz bewusst hatte man mit Philip Glass einen zeitgenössischen Komponisten mit jüdischen Wurzeln gewählt. Glass' musikalisches Idiom: oszillierende Klangflächen, die in Dur- und Moll-Akkordschichtungen beinahe statisch vor sich hinwabern, während kleinste Veränderungen für Farb- und Stimmungswechsel sorgen. Gerade um diese feinen Gespinste zum Leuchten zu bringen, braucht es erhebliches instrumentales Können, vor allem Intonationssicherheit und ein Gespür für dynamische Nuancen. Hut ab vor dem "Jungen Orchester Jakobsplatz" mit seinen Musikern aus sieben Nationen unter der Leitung von Daniel Grossmann, dass es sich an diese nur scheinbar einfache Partitur wagte. Vor allem wenn Ruby Hughes in der Rolle der Madeline Usher die beiden Männerstimmen von Antony Leiss-Huber und Christian Eberl mit leidensschwangeren Vokalisen überglänzte, erreichte die Aufführung eine schaurig-hypnotische Eindringlichkeit.Sarah Schley (Regie) und Peter Schultze (Bühne) inszenierten die inzestuöse Grusel-Dreiecksgeschichte mit sparsamen Mitteln: Ein raumhoher, auf Eck gestellter Kubus aus durchsichtigem schwarzen Stoff ragt weit in die Bühne vor, in ihm sitzt das Orchester. Vorne genügen wenige Requisiten, eine Staffelei, einige Stühle. Vielleicht wäre es Glass' Stück, das ja fast nur aus Atmosphäre, kaum aus Aktion besteht, gut bekommen, hätten die Sänger auf die eine oder andere plakative Geste und Mimik verzichtet - dennoch sorgten Einfälle wie der, den Hausfreund William qualvoll im Stehen schlafen zu lassen, für Bilder von unbehaglicher Dichte.

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