G'schlamperte Seelen

- Napoleon, der Max Joseph zum bayerischen König gemacht hat, liegt als Scherbe am Boden - des Krugs, des "Zerbrochnen Krugs", den Leopold Ahlsen aus Kleists furchtbar nördlichem Dorf ins Dachauer Hinterland der Zeit Ludwigs I. versetzt hat. Das Spiel von Liebe und Schlawienerei, von Obrigkeit und Willkür, Sturschädeln und Gespenstersehern ist hier wie dort, ist heute wie damals gültig. Das erkannten und genossen die Zuschauer schon vor einem Jahr an der demnach sehr erfolgreichen Produktion der Theaterakademie (Sommerakademie für Bairisches Volksschauspiel), und das belachten sie auch jetzt bei der Wiederaufnahme.

<P>Wunderschön und bestens zum Stück passend in seiner herben, bodenständigen Renaissance der Hof der Alten Münze; genauso aufs Neue überzeugend Katia Salzbrenners Ausstattung (obwohl Hennen und Hahn vom vergangenen Jahr fehlen): Die Kargheit des Landes wird nicht verharmlost _ und nicht die g'schlamperte Männerwirtschaft und Seelenlandschaft des Dorfrichters. <BR>Jörg Hube ist nach wie vor das Herz dieser Aufführung. Und dieses ist das Herz eines armen Kerls mit einem verwachsenen Fuß, der endliche auch einmal junge Brüstlein in die Hände bekommen will _ und der dafür zu miesen Erpressertricks greifen muss.</P><P>Hube zeigt diesen Adam, den Frau Martha (Monika Baumgartner) immerhin einen "g'rechten Mo" nennt, als einen, den sein lüsternes Gemächt in eine üble Sache hineingelockt hat. Der das weiß, der schuldbewusst ist; der aber auch sein Leben lang gelernt hat, dass es das Beste ist, sich 'rauszuwinden, 'rauszureden, bis zuletzt zu leugnen. Das Leben ist nun mal kein Gesetzbuch, betont der Richter immer wieder. Wie Hube das spielt - da muss sich jeder Zuschauer in diesem alten Adam erkennen.</P><P>Neu im "Krug"-Team Merkur-Förderpreisträger Stefan Murr, der seinen Rupert vom anfangs linkischen Buam (vor Gericht, bei Gefühlen) zum schneidigen Burschen führt, der seiner Ev schon gefallen kann. Murr gibt ihm bayrische Hitzigkeit, die gern rauft und auch zum Messer greift, zugleich die hiesige Lust am Theatralischen. Christian Hoening ist sein Vater, g'radraus und ebenfalls ein Jähzornsbinkel. Die Dritte im Neuen-Bunde ist Simone Ott als herrlich motzerte Dirn Grete.</P><P>Der Krug ist am Ende der turbulenten Verhandlung des Königlich Bayerischen Amtsgerichts immer noch hin und nicht bezahlt, "Der zerbrochne Krug" hält jedoch auch im zweiten Jahr.</P><P>Bis 17. 8., 20.30 Uhr, Alte Münze, Eingang Pfisterstraße. Karten: Münchenticket 089/ 54 81 81 81; bei schlechtem Wetter im Akademietheater, 21 Uhr, im Zweifelsfall: Tel. (0172) 21 8528 27.</P>

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